Ein frommer Mann hatte eine wunderbare Vision: Er sah nämlich in der Krippe ein lebloses Knäblein liegen; zu diesem sah er Franziskus hinzutreten und das Kind wie aus tiefem Schlaf erwecken.
(1 Celano 86,6-7)

Der 6. Januar gilt als "Dreikönigstag" - aber eigentlich wird die Göttlichkeit Jesu gefeiert - "Erscheinung des Herrn". Die römischen Kaiser ließen sich als Götter verehren, aber die Epiphanie, die Erscheinung, des wahren Gottes findet in ärmlichsten Verhältnissen statt, in einer Krippe in einem Stall fernab von allen Machtzentren der Welt.

In Greccio inszeniert Franz von Assisi die Heilige Nacht mit einem echten Kind in einer steinernen Futterkrippe. Und sein Ritual hat viele bewegt, wie Thomas von Celano überliefert. Ein Mann hatte dabei oben stehende Vision: Franziskus erweckt das leblose Kind in der Krippe. Celano fügt hinzu: "Der Jesusknabe war in vieler Herzen vergessen".

Was, wenn man das symbolisch versteht? Wenn das erweckte Kind in der Krippe - psychologisch gesprochen - unser inneres Kind ist, jener Teil unserer Seele, mit dem unser Lebensweg einst begonnen hat? Heißt es nicht auch "Wer das Gottesreich nicht annimmt wie ein Kind, kann nicht hineingelangen" (Lk 18,17)? Wenn also Christen glauben, dass Gott in diesem Jesuskind Mensch geworden ist (und nicht ein Mensch Gott!!!), wer oder was erweckt dann heute unser inneres göttliches Kind aus der Bewusstlosigkeit?

 

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