Und wenn er eine große Anzahl von Blumen fand, predigte er ihnen und lud sie zum Lob des Herrn ein, wie wenn sie vernunftbegabte Wesen wären.
(1 Celano 81)

Franz von Assisi predigt Blumen, Vögeln, sammelt Würmer vom Weg auf, damit sie niemand kaputt tritt und vieles mehr. Zahllos sind die Erzählungen über seine Liebe zur Schöpfung. Könnte man dieses Franziskus-Bild von allem Süßlichen befreien, das sich im Laufe der Jahrhunderte darüber angesammelt hat? Was käme dann für ein Franz von Assisi zum Vorschein? Vielleicht eine Verkörperung des "Grünen Mannes", eines Archetypus, der verwandt ist mit dem "Wilden Mann"? Ist es dieser "wilde" Franziskus, von dem Thomas von Celano schreibt, er habe "eine gewinnende, feurige und scharfe Sprache, eine mächtige, liebliche, klare und wohlklingende Stimme" (1 Cel 83)?

Wäre ein "grüner" und "wilder" Franz von Assisi so außergewöhnlich angesichts dieser jüdisch-christlichen Traditionen: Johannes der Täufer, der in der Wüste lebte und Heuschrecken aß  (Mk 1,6); Jesus, der 40 Tage und Nächte in der Wüste fastete, mit den wilden Tieren lebte und sich von Engeln bedienen ließ (Mk 1,13); Hildegard von Bingen, die die "Grünkraft" erforschte usw. ?

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