"Ich hätte da mal eine ernst gemeinte Frage: Was macht Gott den ganzen Tag?“, diese Frage tauchte diese Woche in einer facebook-Gruppe auf. "Helfen tut er nicht viel und bestrafen auch nicht sonderlich. Sitzt der den ganzen Tag nur da oben rum oder wie?“

Ich muss zugeben, dass mir die darauf folgenden Antwortversuche der zahlreichen frommen Christen weniger sympathisch waren als die Frage selbst - mag sie auch eine Provokation gewesen sein. Nicht einer hat geantwortet, dass er sich die gleiche Frage stellt.

Und die Frage ist doch eigentlich berechtigt: Warum herrschen Krieg, Chaos und Ungerechtigkeit? Ein einziger Blick in die Nachrichten eines beliebigen Tages zeigt, wie groß die Not ist, die Tausende und Abertausende Menschen und die ganze Schöpfung jeden Tag erleiden aus den unterschiedlichsten Gründen. Und was tut Gott? Wer bestraft die Täter und hilft den Opfern?

Vielleicht ist der Text aus dem Matthäusevangelium, der an diesem letzten Sonntag im Kirchenjahr, am Christkönigssonntag, gelesen wird, der Versuch, eine Antwort auf diese Frage zu geben: Wo ist Gott in dem ganzen Unheil, das die Welt täglich erleidet?

Dort ist davon die Rede, dass der Thron im Reich Gottes momentan noch leer steht. Denn erst eines fernen Tages, am Ende der Zeiten, wird der Menschensohn (Messias) mit allen Engeln kommen und den Königsthron besteigen. Dann teilt sich die Menschheit in zwei Gruppen: Für die einen ist das Reich Gottes bestimmt, für die anderen das „ewige Feuer“. Die Begründung ist einfach:

Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben.
(Matthäus 25,35)

Und mit „ich“ ist der Menschensohn (Messias) selbst gemeint, also für die Christen: Jesus von Nazareth. Und damit wird auch deutlich, wo sich der König befindet. Er lebt in den Hungrigen, Durstigen, Fremden, Obdachlosen, Nackten, Kranken und Gefangenen.

Das ist die Wahl, die Gott getroffen hat: Er zeigt sich nicht in Macht, sondern in Ohnmacht. Er hat seine Wohnung genommen in den Schwächsten. Dort ist seine Gegenwart und wer ihn finden will, der muss dorthin gehen und ihm zu essen und zu trinken geben, ihm Einlass gewähren, ihn kleiden, seine Schmerzen lindern und ihm Trost zusprechen und den Glauben an ihn nicht verlieren.

Es ist so einfach.

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