An jenem Tag
wird der Herr der Heere auf diesem Berg, dem Zion,
für alle Völker ein Festmahl geben
mit den feinsten Speisen,
ein Gelage mit erlesenen Weinen,
mit den besten und feinsten Speisen,
mit besten, erlesenen Weinen.
(Jesaja 25,6)

Das Evangelium vom Sonntag gibt mir Rätsel auf. Ein von den geladenen Gästen enttäuschter und zorniger Gastgeber holt sich spontan Gäste von der Straße. Als er unter diesen Gästen einen ohne Hochzeitsgewand erblickt, lässt er ihn festnehmen und einkerkern.

Wenn dieser Gastgeber, ein König, gleichnishaft für Gott steht: Ist Gott demnach ein zorniger alter Griesgram? Ist es dann nicht völlig verständlich, dass viele Besseres zu tun haben, als der „Einladung“ zu folgen? Und woher sollte denn der eine auch so schnell ein Hochzeitsgewand nehmen, wenn er gerade von der Straße kam? Und hatten die anderen alle eins an?

An dieser Stelle kommt dann oft eine Erklärung, die mich noch ratloser macht. Manche frommen Christen erklären mir (mit erhobenem Haupt und Zeigefinger), Gott sei eben kein „lieber Gott“. Mit Gott kann es schon mal ungemütlich werden, weil er es eben ernst meint und genau hinschaut.

Kann ja sein. Vielleicht gehört Matthäus, der Evangelist, auch zu denen, die das so sehen. Ich wünsche mir aber trotzdem einen Gastgeber, der nicht zornig wird, sondern vielleicht eher traurig (und in der ursprünglicheren Version der Geschichte bei Lukas 14,15-24 ist von Zorn auch gar nicht die Rede). Das würde auch nicht den Blick verstellen für das, worum es ja eigentlich geht in der Geschichte: Um ein großes Fest.

Gott will mit uns feiern. Und das wollte er schon immer mit allen Menschen und der ganzen Schöpfung. So wie es die Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (25,6) belegt: Ein Text, der vom großen Festmal mit den feinsten Speisen am Ende der Tage auf dem Berg Zion handelt und sich fast überschlägt vor Begeisterung (Speisen und Wein werden gleich doppelt genannt).

Und die eigentliche Botschaft lautet doch: Du musst nichts besonderes leisten, um am großen Fest Gottes teilnehmen zu können. Du musst sogar nur eines lernen: Deinen „Acker“ und deine „Geschäfte“ einfach mal links liegen zu lassen. Und das weiß jeder, der sich wahrhaftig auf einen spirituellen Weg begibt: Es geht gar nicht so sehr darum, etwas zu lernen, sondern bestimmte Dinge und Gewohnheiten zu verlernen. Es kann sehr schwer sein, die Einladung(en) anzunehmen und das Leben „richtig“ zu feiern und zu genießen.

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