Am Ende der Tage wird es geschehen ...
... dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern
und Winzermesser aus ihren Lanzen.
Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk,
und übt nicht mehr für den Krieg.
Jeder sitzt unter seinem Weinstock
und unter seinem Feigenbaum,
und niemand schreckt ihn auf.
(Micha 4,1.3-4)

Neulich hörte ich diese unglaubliche Geschichte von den japanischen Soldaten, die nach dem zweiten Weltkrieg im Pazifik verschollen sind. Der Krieg war aus, die Jahre vergingen. Den letzten fand man 35 Jahre nach Kriegsende auf einer Insel.

Wie erklärt man jemandem, dessen ganze Identität - nach Jahren der Einsamkeit und der Isolation - darin besteht, Soldat zu sein und für sein Vaterland zu kämpfen, dass sein Einsatz nicht mehr benötigt wird?

Die Japaner hießen ihre treuen Soldaten willkommen. Mehrfach. Man versicherte ihnen, wie wichtig ihr Einsatz gewesen war und welch großes Vorbild ihre Treue und Vaterlandsliebe ihren Landsleuten bleiben wird. Man verlieh ihnen Orden.

In jeder Menschenseele gibt es einen "treuen Soldaten", sagen Psychologen, der uns aus unserer Kindheitsnot errettet. Was auch immer diese Not gewesen sein mag, ohne unseren treuen Soldaten hätten wir seelisch nicht überlebt.

Nun sind wir erwachsen und der Krieg ist vorbei. Unser treuer Soldat aber kämpft tapfer weiter. Immer und immer wieder verteidigt er unsere Seele, unsere Würde. Glaubt er zumindest. Das sind die Handlungsmuster der EGO-Verteidigung (die nicht immer mit Gewalt zu tun haben müssen, sondern eher etwas mit Taktik und bestimmten Strategien), die es zu erkennen und vor allem zu überwinden gilt, wenn wir innerlich wachsen wollen.

Es gilt also, den eigenen treuen Soldaten zu finden. Wie sage ich ihm, dass seine Dienste nicht mehr nötig sind? Wie kann ich vermeiden, ihn zu unterdrücken und zu verstecken (dann passiert wohl in etwa das, was mit anderen Veteranen geschieht: sie werden verrückt und führen ein Schattendasein => Dämonen)? Wie kann ich seine schlimmen Taten benennen, seine Opfer betrauern und bei ihnen wenn möglich um Vergebung bitten? Braucht er auch Trost (vielleicht sogar mehr noch als Orden)? Welchen Platz und welche Rolle kann er künftig innehaben und wie kann ich seine Fähigkeiten sinnvoll nutzen, sprich: aus Schwertern Pflugscharen machen? Könnte seine neue Aufgabe etwas mit Gastfreundschaft, Tischgemeinschaft (Pflugscharen => Brot, Winzermesser => Wein), Solidarität zu tun haben? Alles zu idealistisch und der Krieg bleibt doch "der Vater aller Dinge"?

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