Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet,
so dass wir nach dem Fleisch leben müssten.
(Römer 8,12) 
Schritt 5 heißt "Wasser trinken". Oft, wenn ich jemandem von den 7 Schritten erzähle, dann werde ich gleich einer Prüfung unterzogen, ob ich denn die "Regeln" auch einhalte. Zum Beispiel: "Aha, das ist aber kein Wasser" -  "... doch, aber mit Minze und einem Schuss Holundersirup." - "Aha, aber ich denke, man darf nur Wasser trinken!!!"
 
Es scheint sich so in Köpfe und Herzen eingebrannt zu haben, dass Religion und Spiritualität (und im Übrigen auch "Diät") etwas damit zu tun haben, unser schwaches Fleisch zu besiegen und eine große Askese-Leistung zu vollbringen. Ein Missverständnis, finde ich.
 
Die heutige Lesung ist ein Schlüssel zur Klärung dieses Missverständnisses: Wenn in der Bibel und speziell bei Paulus vom "Fleisch" die Rede ist, was ist dann gemeint? Etwa unser Körper, von dessen Herrschaft wir uns befreien müssen? 
 
Was wäre, wenn wir Fleisch mit "EGO" übersetzen? Paulus würde dann sagen wollen: Leute, wir sind nicht dem "EGO" verpflichtet, so dass wir nach dem "EGO" leben müssten! Wir müssen also nicht immer die Ersten und Besten sein, wir müssen nicht überall beliebt sein, wir müssen auch nicht wichtig sein usw. Wir sind frei! Denn wir gehören zu Gottes Bund!
 
Es kann also sein, dass jemand, der beispielsweise Schritt 5 perfekt einhält, und nur noch Wasser trinkt, in Wahrheit ganz und gar seinem "EGO" verpflichtet ist. Er müsste paradoxerweise ab und zu gegen Schritt 5 verstoßen, um nicht Gefahr zu laufen, perfekt zu sein: Als Franz von Assisi einmal 40 Tage auf einer Insel fasten wollte, aß er am 40. Tag Brot, um sich nachher nicht brüsten zu können, er habe "es geschafft". Oder als ein Mitbruder das strenge Fasten nicht mehr aushielt, aß er mit ihm.
 
Natürlich heißt das nicht, dass es völlig "egal" ist, was man tut. Es kommt auf die Perspektive an (Paulus würde sagen: auf den Geist). Wahrscheinlich geht es also Paulus insgesamt weniger um das Gewissen, sondern um das Bewusstsein, mit dem man etwas tut oder eben nicht tut. Auf die 7 Schritte übertragen heißt das für mich in etwa so viel: Gebt alles, scheitert tapfer und vor allem "richtet nicht". Die Güte zählt mehr als die Leistungen, die wir vollbringen.
 
Minze wirkt übrigens erfrischend und krampflösend. So eine Spiritualität wünsche ich mir: frisch und unverkrampft - so wie Minzwasser mit Holundersirup 😉
 

Minz-Wasser

1 Liter Mineralwasser
1 Schuss Holundersirup nach Belieben

1-2 Zweige Minze

in eine Flasche geben.

TIPPS

Wenn Du die Minzblätter rupfst, entfalten sie noch stärker ihre Wirkung. Das ist nützlich, wenn die Schorle direkt im Glas gemixt wird.

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