Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir.
Darf ich mit dem, was mir gehört,
nicht tun, was ich will?
Oder bist du neidisch, 
weil ich (zu anderen) gütig bin.
(Matthäus 20,14-15)
Das Evangelium vom Sonntag ist glasklar: Es kommt nicht darauf an, wie viel einer geleistet hat (oder eben wie lange), sondern DASS er sich eingebracht hat und nicht "untätig" geblieben ist (Mt 20,6). Alle Arbeiter im Weinberg bekommen am Ende den gleichen Lohn, obwohl sie unterschiedlich lange gearbeitet haben.
 
"Geht nicht", "funktioniert nicht", "kann nicht klappen", "dann will ja keiner mehr arbeiten" ... ich kann die unzähligen Varianten ein- und desselben Arguments gar nicht alle aufzählen: Das was Jesus da predigt, bürstet unsere Ökonomie und die landläufige Vorstellung von Arbeit und Verdienst völlig gegen den Strich.
 
Die Geschichte erinnert mich an die Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral von Heinrich Böll. Von dem Fischer, der gerade so viel arbeitet, dass er gut leben und in der Sonne dösen kann. Und von dem fleißigen Touristen, der nicht verstehen kann, warum der Fischer nicht nach mehr strebt: Mehr Fische fangen, größere Boote kaufen, noch mehr Fische fangen, eine Fabrik bauen. Wozu? Damit er eines Tages am Strand liegen und die Sonne genießen könne. Tu ich doch, sagt der Fischer. Der Tourist, heißt es am Ende, hatte früher einmal geglaubt, "er arbeite, um eines Tages einmal nicht mehr arbeiten zu müssen und es blieb keine Spur von Mitleid mit dem ärmlich gekleideten Fischer in ihm zurück, nur ein wenig Neid".
 
Wohlgemerkt: Es geht ja nicht darum, untätig zu sein. Es geht irgendwie um das richtige Maß und die Frage nach dem Ziel von Arbeit. Geht es um die Arbeit an sich oder um den Erfolg bzw. Gewinn? Die Gefahr besteht, sich ausschließlich über die Quantität zu definieren. Denn die Arbeiter im Weinberg haben ja alle qualitativ dieselbe Arbeit gemacht, nur eben nicht quantitativ.
 
Auch wenn das vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz 100%ig dazu passt: Ich habe in den letzten Tagen intensiv über die Frage nachgedacht, welches Preismodell das beste für die franziskanische Lebensschule sein kann. Und ich habe mich entschlossen, ganz konsequent das Modell "Pay what you want" zu probieren. Dabei gibt jeder so viel, wie er kann und will. Diejenigen, die viel haben, zahlen also für die mit, die weniger haben und am Ende ist genug im Topf, damit die Kosten für ein Angebot aufgebracht werden können.
 
Ob das funktioniert? Das bin ich schon öfter gefragt worden in den letzten Wochen. Vor allem ein Kommentar dazu kommt immer wieder: "Was nix kostet, is nix ..." Deshalb müssen z.B. angeblich Coaching-Angebote am besten gleich mehrere Hundert Euro pro Stunde kosten. Aber ist das ein Ausdruck von Qualität? Ich habe eher den Verdacht, dass es dabei um Exklusivität geht. Es ist ja das Wesen von Luxus, dass er eben nicht für alle erschwinglich ist. Es geht um Distinktion. Und vielleicht ist auch genau das Punkt im Evangelium: Der Weinbergsbesitzer durchkreuzt den Plan, die Arbeit und den Lohn als Mittel der sozialen Distinktion zu gebrauchen. Das wäre nur möglich gewesen, wenn die "Untätigen" weniger bekommen hätten oder eben am besten gleich untätig geblieben wären. 

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