Ihr werdet ein Kind finden.
(Lk 2,12)

Mir gefällt der Gedanke, dass Jesus uns einlädt, nicht an der Macht der Welt, sondern an der Ohnmacht der Welt teilzunehmen. Dieser Gedanke beginnt in der Krippe und endet am Kreuz.

Wer sich auf die Suche nach Gott macht, wird ein Kind finden. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. In diesem Kind erscheint die Gnade Gottes (Tit 2,11). Nicht, dass Gott nicht auch anders könnte, aber vielleicht ist es sein Wille, nicht über uns zu "herrschen", indem er uns kontrolliert. Was wäre, wenn wir es genauso machten: Wenn nicht einer über dem andern stünde, sondern jeder sich unter den anderen stellt, so wie Gott es vormacht?

Wer das durchdenkt, wird feststellen, wie fremd uns das in unserer westlichen Kultur geworden ist. Wir hassen die Ohnmacht, wir lieben die Kontrolle. Und was wir nicht kontrollieren können, das zerstören wir. Auf der politischen Ebene ist das so. Und auf der persönlichen? Wenn Jesus uns gezeigt hat, dass dies der Weg der Inkarnation ist, der Weg, auf dem Gott in uns Fleisch werden will, können wir Gott folgen, indem wir sagen: Wir lieben die Ohnmacht, wir hassen die Kontrolle? Für Menschen, die alles daran setzen, Sieger zu sein, muss es sehr hart sein, zu erkennen, dass Gott als Verlierer auf die Welt gekommen ist.

Was wäre, wenn wir einander mehr von dem Kind in uns zeigen würden: Unsere Schutzbedürftigkeit, unsere Verletzlichkeit, unsere Schwäche(n), unsere Ängste, unsere Wünsche? Was wäre, wenn wir unsere Gespräche und unser Zusammensein von dorther gestalten würden? Was wäre, wenn Familien, Gemeinden, ja ganze Nationen so leben würden?

Frohe Weihnachten!!!

 

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