Christen müssten eigentlich gegen jede Form von Körperfeindlichkeit immun sein. Nacktheit dürfte gerade den Christen nicht peinlich sein, weil ihr Erlöser und Heiland wie jeder Mensch nackt geboren wurde und nackt starb. Jesus wirkte nicht nur durch Worte, sondern auch mit seinen Händen. Er berührte Menschen, um sie zu heilen. Und er ließ sich auch berühren. Da ist der Jünger, »den Jesus liebte«, der beim letzten Mahl an Jesu Seite lag, den Kopf auf die Brust gelehnt, erzählt uns der Evangelist Johannes (Joh 13,23–25). Alles deutet darauf hin, dass dieser zärtliche Umgang unter den Jüngern Jesu zum Alltag gehörte.

Jesus war alles andere als körperfeindlich. Und das gilt – wie gesagt – nicht nur für die Abgründe der Körperlichkeit, Schmerz und Leid, die er nicht gescheut hat. Tatsache ist, dass Jesus sich auch von Frauen berühren ließ und diese Begegnungen offensichtlich sehr wichtig für ihn waren. Eine Frau kommt mit einem Gefäß voll kostbarem Öl und salbt Jesus damit. An anderer Stelle heißt es sogar, dass sie Jesu Füße mit dem Öl salbt und abküsst. Und sie küsst sie nicht nur einmal, sondern sie küsst sie »unaufhörlich« (Lk 7,45). Jesus hat nicht nur nichts dagegen, sondern er rechtfertigt dieses Handeln aus Liebe. „Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat.“ (Mk 14,9). Und ebenso handeln.

Später wird Jesus seinen Jüngern die Füße waschen mit dem Auftrag, es untereinander ebenso zu tun (Joh 13,15). Diese Körperlichkeit ist es, die das Christentum von der Wurzel her ausmacht. Wie konnten wir das je vergessen?

mit Auszügen aus: barfuß&wild. Wege zur eigenen Spiritualität, Patmos 2018.

Palmsonntag B
„Sie hat ein gutes Werk an mir getan“ (Mk 14,6)

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