Mir ist eine verbeulte Kirche,
die verletzt und beschmutzt ist,
weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist,
lieber, als eine Kirche,
die aufgrund ihrer Verschlossenheit
und ihrer Bequemlichkeit,
sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern,
krank ist.
Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein,
und schließlich in einer Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist.
(Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, 49)

Ich habe das Apostolische Schreiben von Papst Franziskus über die "Freude des Evangeliums" durch Wordle geschickt und das obige Bild ist dabei herausgekommen. Die am häufigsten verwendeten Wörter sind am größten dargestellt. Ich habe die spanische Version genommen, weil mir das Wordle-Bild am besten gefallen hat.

Dass Kirche (Iglesia) und Gott (Dios) die zentralen Stichworte bilden, ist nicht weiter bemerkenswert für das Schreiben eines Papstes. Aber das Stichwort, das an dritthäufigster Stelle steht ist "Leben". Die Schlagwortwolke macht also statistisch sichtbar, worum es dem Papst in seinem Schreiben im Kern geht: Eine Kirche, die am Leben teilhat, weil sie Gott dort vermutet und sucht und findet. Das ist das Evangelium von der Inkarnation: Das Wort ist Fleisch geworden und Gott hat unter uns gewohnt.

Eine Konsequenz aus dieser inkarnatorischen Theologie und Spiritualität ist folgendes Prinzip des Papstes: "Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee" (EG 231-233). Dieser Papst bringt die ganze Kirche quasi vom Kopf in die Füße und schickt alle, und zwar ausnahmslos alle, in einen "Zustand permanenter Mission" (EG 25).

Das sind ungewohnte Töne für einen Papst. Was Franziskus über die Kirche schreibt, lässt sich über jeden Menschen sagen: Unser Leben ist manchmal verbeult und wir machen uns schmutzig, verletzen uns, aber wir leben! Aber nicht die Vorstellung vom Leben zählt, sondern das Leben, wie es ist: ein Wagnis und das Risiko des Scheiterns. Wer immer auf Nummer sicher geht, der läuft Gefahr, sein Herz (corazón) zu verschließen, so wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn der Bruder, der zu Hause geblieben war und immer alles "richtig gemacht" hatte. Er verbitterte, weil er seinem Bruder, dem Sünder, die Liebe des Vaters nicht gönnen konnte.

Was wäre, wenn alle - Rechte und Linke, Progressisten und Traditionalisten, Legalisten und Laxisten und wie sie alle heißen oder sich nennen - Kirche "von Herzen" (corazón) betrachten würden und es nicht mehr nur um "Äußeres" ginge (Hierarchie, Lehre, Profilierung und Abgrenzung), sondern um einen inneren Reifungsprozess, als dessen Frucht sich am Ende die Erkenntnis verwirklicht, dass das Leben und die Welt nicht für uns da sind, sondern wir für das Leben und die Welt? Ist es nicht interessant, dass das "Volk" (pueblo) auch zu den zentralen Stichworten gehört? Und was können wir im reichen Westen lernen von der "armen Kirche für die Armen" (EG 198)?

Pin It on Pinterest