Advent ist Sehnsucht nach Wärme an kalten und trüben Tagen. Advent ist Sehnsucht nach Licht in langen Nächten. Und das gilt auch für die Seele: Innere Wärme, Geborgenheit und „Er-Leuchtung“. Biblisch gesprochen: Sehnsucht nach Gott.

Diese Sehnsucht klingt in den heutigen Texten der Lesungen und des Evangeliums an. Allerdings ist diese Sehnsucht leider oft überdeckt durch eine „Spiritualität von oben“, die zuerst darauf schaut, ob jemand alles richtig macht und auch würdig ist.

Mit dieser Brille „von oben“ wird aus dem Evangelium von heute ein Angstszenario: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt!“ (Markus 13,35). Ist das eine frohe Botschaft? Sollen wir Angst haben?

Wenn Jesus im Markusevangelium sagt: „Seid wachsam!“, dann steckt dahinter mehr als bloß vorsichtig zu sein. Das griechische Wort "gregoreo" lässt sich auch übersetzen mit „Seid lebendig!“, seid „mit allen Sinnen dabei!“

Das ist eine „Spiritualität von unten“: Es geht im Grunde darum, sich mit dem eigenen Ursprung zu verbinden. Jesaja formuliert das wunderschön:

Und doch bist Du, Herr, unser Vater.
Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer,
wir alle sind das Werk deiner Hände.
(Jesaja 64,7)

Das erinnert an die Erzählung von der Schöpfung: Gott formt den Menschen aus Erde und haucht ihm Leben ein (Genesis 2,7). „Erde“ heißt hebräisch „Adamah", „Mensch“ heißt „Adam“. Für die Bibel sind wir Menschen also im wahrsten Sinne des Wortes „Erdlinge“.

Der Advent ist im Grunde eine Zeit, sich wieder mit der inneren Quelle zu verbinden: Aus welcher Kraft kann ich leben? Wo ist meine Freude? Wo bin ich lebendig? Was ist der Nährboden, aus dem heraus ich wachsen kann, aus dem heraus ich fruchtbar für die Welt sein kann, und in den hinein ich auch sterben kann?

Anregung: Nimm diese Fragen mit hinaus in die Natur. Eine Spiritualität „von unten“, wie die franziskanische, schaut nicht so viel zum Himmel, sondern sucht und findet Gott auf der Erde. Suche draußen nach Orten des Lichtes, der Wärme und der Geborgenheit.

Welche Tiere und Pflanzen sind Deine nächsten Nachbarn?
Wo schlafen die Tiere? Und wie halten sie sich warm?
Welche Pflanzen haben sich ganz in die Erde zurückgezogen?
Welche Zeichen von Leben findest Du inmitten von Kälte, Vergehen und Tod?

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