Wir brauchen spirituelle Menschen, Lehrerinnen und Lehrer, die uns führen mit Vollmacht. Die uns nicht sagen, was wir zu tun haben. Die uns nicht mit Dogmen gängeln oder mit Vorschriften kontrollieren wollen. Sondern die uns helfen, unser wahres Selbst und unser Potenzial zu entfalten.

Jesus redet mit Vollmacht, heilt mit Vollmacht, vergibt Sünden mit Vollmacht. Bei genauer Betrachtung geschieht aber gar nichts Besonderes. Jesus schwingt keine großen Reden, seine Botschaft ist einfach und verständlich. Er vollführt keine komplizierten Heilungszeremonien, sondern berührt Menschen schlicht und bringt sie in Verbindung mit ihren eigenen Ressourcen, wenn er sagt: »Dein Glaube hat dich geheilt.«

Wir erleben Jesus nie angestrengt. Jesus erscheint fast wie ein Meister fernöstlicher Mystik, der die Kunst des Wu-Wei beherrscht. Wu-Wei heißt übersetzt etwa »handelndes Nichthandeln«. Das klingt paradox. Es beschreibt eine Herangehensweise, die frei von egozentrischen Triebkräften dem natürlichen Fluss der Dinge folgt.

Jesus ist sich bewusst, dass er aus eigener Macht nicht viel erreicht. Es gibt eine größere Kraft, auf die er vertraut: »Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden« (Mt 11,27; Lk 10,22) und »Ich und der Vater sind eins« (Joh 10,30). »Wo ich nichts für mich will, da will Gott für mich«, formuliert es Meister Eckhart.

mit Auszügen aus: barfuß&wild. Wege zur eigenen Spiritualität, Patmos 2018.

4. Sonntag im Jahreskreis B
„Er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat“ (Mk 1,22)

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .