Die Auferstehung ist kein einmaliger Vorgang. Sie geschieht immer und immer wieder. Davon erzählen schon die Evangelisten. Auferstehung ist vom Wesen her Begegnung. Und wo wirkliche Begegnung ist, geschieht Auferstehung.

Die Jünger haben die Türen verschlossen. Jesus tritt in ihren Kreis. Und dann geschieht, was Caravaggio in seinem berühmten Bild festgehalten hat. Thomas berührt die Wunden Jesu. Die anderen sind Zeugen.

Hier geht es nicht bloß um eine empirische Überprüfung. Hier geht es um Berührung. Es geschieht viel zu selten, dass Menschen einander auf diese Weise begegnen. Besonders Männer wachsen auf mit dem Satz „Indianer kennen keinen Schmerz“.

Jesus ist anders. Er verbirgt seine Wunden nicht. Er lässt sich berühren. Er zeigt sich. Wo immer Menschen einander auf diese wahrhaftige Weise begegnen, gilt die Zusage, dass Jesus „mitten unter ihnen“ (Mt 18,20) ist. Dort geschieht Auferstehung.

Was, wenn das schon das ganze Wunder der Auferstehung ist? Die Erfahrung wahrhaftiger Begegnung. Die frühen Christen versammelten sich in ihren Häusern, in kleinen Kreisen. Leben ist Begegnung. Kooperation. In jeder Zelle auf diesem Planeten findet Begegnung statt. Und viele Zellen bilden gemeinsam einen Organismus. So spricht Paulus auch vom „Leib Christi“. Der Auferstandene ist mitten unter uns oder er ist gar nicht. Die einzige Aufgabe ist, den Raum für ihn zu schaffen. Raum für das Leben. Trotz allem.

mit Auszügen aus: barfuß&wild. Wege zur eigenen Spiritualität, Patmos 2018.

2. Sonntag der Osterzeit B
„Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite“ (Joh 20,27)

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