Eine Wolke nahm ihn auf
und entzog ihn ihren Blicken.
Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten,
standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
und sagten: ... was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?
(Apostelgeschichte 1,9-11)

Letzte Woche war ich in Rio de Janeiro. Hoch oben über der Stadt das Wahrzeichen: Auf dem Corcovado die Christus-Statue. Ein Himmelfahrtsbild.

Ich staune mal wieder darüber, wie nah in Brasilien die Extreme beieinander liegen: Unglaublicher Reichtum und unglaubliche Armut. Und ich ahne, wie das zusammen geht. In Brasilien - wie in ganz Lateinamerika - ist der Glaube allgegenwärtig. Unmittelbar. Herzlich. Unschuldig. Aber den Blick zum Himmel gerichtet, lassen sich die irdischen Probleme auch ausblenden. Das ist die Schattenseite. "Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?"

Dieser Jesus, der von euch ging
und in den Himmel aufgenommen wurde,
wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.
(Apostelgeschichte 1,11)

Und bis es soweit ist, werdet ihr seine Zeugen sein (Apg 1,8!), so muss man den Hinweis doch wohl verstehen, oder? Und so zieht der Evangelist Lukas uns an beiden Beinen auf den Boden: Bevor ihr versucht spirituell zu sein, solltet ihr lieber versuchen, menschlich zu sein!

Was also, wenn es beim Fest Himmelfahrt gar nicht darum geht, Jesus anzubeten, sondern vielmehr Jesus zu sein - sprich: Keinen Guru aus Jesus zu machen, sondern wie er zu leben und zu handeln? Was, wenn es gar nicht darum geht, möglichst Gott ähnlich zu werden, sondern umgekehrt: Gott nachzueifern, ein Mensch zu werden? Was, wenn uns die Geschichte von der Himmelfahrt daran erinnern will, dass Gott nun - nach Jesus - keine anderen Hände und Füße mehr hat als die unseren?!

 

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