Wer bist du, wenn du
niemand sein musst?

BARFUSS
IM HERZEN

Exerzitien zwischen Natur und Straße
Einführung in die franziskanische Spiritualität

Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

In dieser Frage steckt das ganze franziskanische Abenteuer: Menschwerdung.

Das heißt, das eigene Leben mit allen Erfolgen und Freuden, Widerständen und Krisen, als Wohnung Gottes anerkennen. Und das ist der Anfang des franziskanischen Weges. Barfuß im Herzen eben.

Darum geht es in diesen Exerzitien zwischen Natur und Straße.

 

»Es gibt in uns ein heiliges Feuer, das von der Asche des Konsumismus, des Strebens nach materiellen Gütern und eines von den wichtigen Dingen abgelenkten Lebens in Zerstreuung überdeckt ist. Es kommt darauf an, diese Asche zu entfernen und die heilige Flamme wieder zu entfachen. Und dann werden wir ausstrahlen und wie eine Sonne sein.«

leonardo boff

franz von assisi

Zeit, sich von einem naiven und kitschigen Bild von Franz von Assisi zu verabschieden, denn er ist eine Provokation. Seine Hinwendung zu den Armen auf der Straße und seine Liebe zur Natur passen nicht in die Konsumgesellschaft. Mensch und Natur stehen unter Druck: Sie müssen im Optimierungswahn verbessert werden – oder sie werden zu Objekten der Ausbeutung, der Ausgrenzung und des Raubbaus.

natur und strasse

Franz von Assisi (1181-1226) war ein radikaler Mystiker, denn er verbrachte sein Leben in der Natur und auf der Straße an den Rändern der Gesellschaft. Er ging barfuß im Herzen: Er nannte die Erde »unsere Mutter« und alle Menschen und Lebewesen Geschwister. Natur und Straße sind deshalb die ersten Lehrermeisterinnen in der franziskanischen Lebensschule und in diesen Exerzitien. Gott erwartet uns an den Rändern, Grenzen und Übergängen.

 

»Die Schöpfung selbst, nicht menschliche Rituale oder von Menschenhand erbaute Räume, war für Franziskus die wichtigste Kathedrale, und von dort aus kehrte er zurück zu den Nöten der Stadt, ähnlich wie Jesus, der zwischen der Einsamkeit der Wüste und seinem Heilungsdienst in den kleinen Ortschaften hin und her pendelte.«

richard rohr

nichts ausschliessen

In der westlichen Kultur wird alles gezählt, gemessen, bewertet, beurteilt. Franz von Assisi schwimmt gegen den Strom. Nichts und niemand soll ausgeschlossen sein, ganz egal was er mitbringt. Es zählt nicht das Äußere. Franziskus betrachtet alles und alle in der Natur und in der Welt »von innen«. Wir kennen diese Sichtweise von östlichen Traditionen. In diesen Exerzitien können wir die eigene europäische Tradition auf neue Weise in den Blick nehmen.

 

achtsam + barmherzig

Die franziskanische Tradition lehrt uns, die Dinge wieder von innen zu betrachten. Mit Barmherzigkeit. Die östliche Achtsamkeit und die westliche Barmherzigkeit sind eng verwandt. Denn wer achtsam und barmherzig schaut, schaut mit Liebe und Mitgefühl. Die oft noch größere Herausforderung besteht aber darin, die eigene Wirklichkeit barmherzig anzuschauen und anzunehmen. Und genau darum geht es in den Übungen dieses Seminars (Exerzitien = lateinisch »Übungen«).

 

»Zunächst einmal müssen wir den Aussätzigen und den Wolf in uns selbst entdecken. Wenn wir es noch nicht fertig gebracht haben, etliche Aussätzige zu küssen und etliche Wölfe zu zähmen, dann wahrscheinlich deshalb, weil wir noch nicht den Aussätzigen und den Wolf in uns selbst wahrgenommen haben. Schau dich heute genau an und entdecke, dass du selbst der arme Aussätzige bist. Pflege und verbinde seine Wunden. Entdecke den Wolf in dir. Zähme ihn, indem du ihm gütig verzeihst.«

richard rohr

versöhnung

Die Welt ist ein Spiegel der Seele: Nichts was außen passiert, bleibt innen ohne Wirkung, und nichts was innen passiert, bleibt außen ohne Wirkung. Alles hängt mit allem zusammen. Franziskus steigt zu einem Aussätzigen herab, um ihn zu küssen. Diese Begegnung auf der Straße beschreibt er in seinem Testament: »So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus, gegeben, das Leben der Buße zu beginnen.« Buße heißt Versöhnung und hat etwas zu tun mit innerem Frieden.

 

innen wie aussen

Innerer Frieden ermöglicht äußeren Frieden. In diesem Frieden wurzeln Geschichten wie die vom grimmigen Wolf und den Bewohnern der Stadt Gubbio (Fioretti 21), die Franz von Assisi miteinander versöhnt. Diese Art von »Buße« hat nichts mit Askese oder Weltflucht zu tun, sondern es geht darum, den eigenen Platz in der Welt zu finden. Was hindert dich, dein wahres Potenzial zu entfalten und auszuschöpfen? Natur und Straße sind Orte, an denen Du genau das herausfinden kannst.

 

»We need to change the system.
We need to overthrow not the government, but this rotten, decadent, putrid industrial capitalist system which breeds such suffering.«

»Wir brauchen eine Änderung des Systems.
Wir müssen nicht die Regierung stürzen, sondern dieses miese, dekadente, verfaulte industrielle kapitalistische System, das solches Leid hervorbringt.«

dorothy day

revolution …

Menschen wie Franz von Assisi glauben an die Revolution des einfachen Lebensk, denn das ist für sie der einzige gewaltfreie Weg, dem »rotten System« (Dorothy Day) etwas entgegenzusetzen. Für Franziskus ist das Evangelium keine Sammlung von Dogmen, die geglaubt werden müssen. Es ist eine Lebensweise. Wie kann ein einfaches Leben aussehen in unserer westlichen Kultur des Überflusses?

 

… des einfachen lebens

Der franziskanische Weg ist kein asketisches Trainingslager, sondern es ist ein Weg der Solidarität, der Barmherzigkeit und der Kreativität. Es geht um nichts weniger als eine »Kunst des Lebens«. Und jeder Künstler weiß, dass seine Kunst eine Frucht der Begeisterung und der Disziplin und Ausdauer ist. Dieser Weg der Liebe ist ein Weg der aktiven Kontemplation und der kontemplativen Aktion. Entscheidend ist das »und«.

 

Was dich erwartet?

Diese Exerzitien bieten die Möglichkeit, das franziskanische Stadteremitentum in mehreren Auszeiten in der Natur und auf der Straße an urbanen Orten der Armut und Ausgrenzung zu erforschen und einzuüben.

Zur gemeinsamen Vorbereitung in der Gruppe gehört eine Einführung in die franziskanische Spiritualität und das Kennenlernen bzw. Vertiefen des Lebensrades als »Spiegel der Seele«.

Die Auszeiten verbringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer alleine. Anschließend finden Austausch und Reflexion wieder im Kreis statt.

SEMINARABLAUF

DONNERSTAG

Beginn nach dem Abendessen.

»Unser Kloster ist die Welt« – Was ist ein*e Stadteremit*in? oder: barfuß im Herzen – der franziskanische Weg in der Nussschale

FREITAG

Mehrere Solo-Auszeiten in der Natur

Die Natur als erste Bibel – Expedition ins Dornbusch-Land

Den Kreis heilen – dem/r Aussätzigen begegnen

SAMSTAG

Solo-Auszeit auf der Straße

Jesus sagt: Ich bin die Straße – Begegnung mit einer Spiritualität nach unten

Frieden – oder: wie man einen Wolf zähmt

Abends Lagerfeuer/Fest/Agape

SONNTAG

Ich will das Morgenrot wecken – was es heißt, dem heiligen Geist Raum zu geben

Abschluss nach dem Mittagessen

»Spannend, mit welchen Ansprüchen oder Bewertungen ich die Welt und auch mich selbst sehe. Und dann einmal mit Gottes Augen zu schauen, das entlastet. Ich muss nicht perfekt sein. Also muss ich es auch nicht von anderen erwarten.«

michael, 37

begleitung

jan frerichs ofs

jan frerichs ofs

Theologe, Autor, Visionssucheleiter, Initiator von barfuß+wild

termine + infos

16.-19. september 2021

barfuss im herzen Hofheim 2021

ORT: Exerzitienhaus der Franziskaner Hofheim (bei Frankfurt a.M.)
ZEIT: Do 18.30h – So 13h
BEGLEITUNG: Jan Frerichs ofs
SEMINARBEITRAG: 350-490€ inkl. Seminar/Unterkunft/Verpflegung nach Selbsteinschätzung

Du hast als Teilnehmer*in an den Exerzitien automatisch bis zum Ende des Jahres Zugang zum Mitgliederbereich von barfuß+wild sobald Du verbindlich angemeldet bist.

 

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Ausgebucht

21.-24. oktober 2021

barfuss im herzen Ohrbeck 2021

 ORT: Haus Ohrbeck (bei Osnabrück)
ZEIT: Do 18.30h – So 13h
BEGLEITUNG: Jan Frerichs ofs
SEMINARBEITRAG: 350-490€ inkl. Seminar/Unterkunft/Verpflegung nach Selbsteinschätzung

Du hast als Teilnehmer*in an den Exerzitien automatisch bis zum Ende des Jahres Zugang zum Mitgliederbereich von barfuß+wild sobald Du verbindlich angemeldet bist.

 

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Ausgebucht

anmeldung

Du kannst Dich anmelden mit dem Formular. Die Anmeldung wird verbindlich nach Überweisung von 50% Deines Seminarbeitrages (ab 4 Wochen vor dem Seminar 100%). Nach dem Absenden des Formulars nehmen wir Deine Angaben entgegen und Du erhältst von uns eine Bestätigung per Email mit weiteren Informationen zur Überweisung Deines Beitrags.
Wenn Du Fragen hast, schreib bitte an team@barfuss-und-wild.de.

»Für Franz ist Gottes Eigenschaft dem Menschen gegenüber Noblesse und nichts als Noblesse (cortesia). Nicht ein System der Asketik, das den Menschen vollkommen macht, nicht eine allgemeine Menschenliebe, nicht eine Serie von Geboten, von Moralgesetzen, die treu und korrekt zu erfüllen sind, nicht das Gesetz der Entfaltung, nicht die Idee eines Persönlichkeitsideals, nach der ich mein statisches oder dynamisches Selbstmonument zu errichten hätte, überhaupt keine Idee von Ideologie beherrschen sein Denken und Tun, sondern eben sein Glaube, der Antwort ist auf den sich ihm persönlich als unfaßlich nobel offenbarenden Gott. Nur eine Antwort ist möglich: Noblesse gegen Noblesse.«

mario galli

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