Schöpfungsspiritualität kennt keine Askese, keine Pflichtübungen, die einen erst würdig machen. Die Schöpfungsspiritualität kennt nur die Sehnsucht, sich wieder mit dem Urgrund und dem inneren Seelenwissen zu verbinden, um leidenschaftlich aus dieser Quelle zu leben und sich und die anderen zu nähren.

Aus dieser Leidenschaft heraus erklärt sich vielleicht auch der Ausbruch Jesu im Tempel, wo er den Händlern und Geldwechslern die Tische umstößt und sie mit einer Peitsche hinaustreibt (Joh 2,13-25). Die Geschichte ist eine Warnung davor, Institutionen an die Stelle Gottes zu setzen. Institutionen sind für den Menschen da und nicht die Menschen für die Institutionen (Mk 2,27).

Wer eine Institution oder eine Ideologie für wichtiger erklärt als die Menschen und ihr inneres Wissen, ihren Glauben, der steht schon nicht mehr im universalen Bund mit Gott. Denn vor nichts und niemandem wird sich ein Mensch niederwerfen, der im „Tempel seines Leibes“ (Joh 2,21) den Gott alles Lebendigen schaut. Dieser Mensch wird sich aber vielleicht – wie Jesus – zur rechten Zeit am rechten Ort mit Leidenschaft bemerkbar machen, wenn die Schöpfung und die Freiheit bedroht sind.

Dritter Fastensonntag B
„Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ (Joh 2,16)

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