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Man glaubte lange Zeit, dass erst vor 10.000 Jahren mit der Sesshaftigkeit auch die Verarbeitung von Getreide begann, aber es gibt Hinweise, dass der Mensch schon viel früher Kenntnisse hatte, wie man Köner oder Wurzeln zu Mehl verarbeitete, um die Stärke darin zu konservieren. Denn nichts anderes ist Mehl. Und Mehl ist sehr gut haltbar und transportierbar, besser als Fleisch.

Die Kunst, Mehl zu mahlen und daraus Brot zu backen ist uralt: Sie reicht bis zu 30.000 Jahre zurück in eine Zeit, in der Menschen noch als Nomaden lebten und gerade begonnen hatten so etwas wie Sprache zu entwickeln. Anfangs wurde das Mehl vermutlich als Brei gegessen, später zu Fladen gebacken und mit der Erfindung des Ofens kam das Brot in Form von Laiben. Die Ägypter hießen in der Antike »Brotesser« und kannten vor 5000 Jahren schon 30 verschiedene Brotsorten. Sie verwendeten auch Hefen zum Backen und ihre Kenntnisse verbreiteten sich über Griechenland und Rom in ganz Europa.

Es ist vor diesem Hintergrund nicht erstaunlich, dass das Brot ein uraltes Symbol für das Leben ist. Es hat sich tief in unser Bewusstsein eingegraben. Unser kulinarischer Kosmos in Europa und aller europäisch geprägten Kulturkreise ist ohne Brot nicht vorstellbar. Die einfache Bitte im »Vater unser« ist ein Zeugnis dafür: »unser tägliches Brot gibt uns heute«.

Jesus hat das Brot und das Essen von Brot zum Ursymbol des Christentums gemacht: Ein Symbol der Solidarität und der Hingabe. Und im Kontext der römischen Kaiserzeit, in der das Volk mit »Brot und Spielen« abgespeist und ruhig gestellt werden sollte, bekommt das sogar eine politische Konnotation. Nur das wahre Brot bringt Leben und Freiheit. Das Brot ist ein Symbol des Auszugs aus der Sklaverei.

Heute haben wir theoretisch Zugang zu hunderten von Brotsorten, aber die Kenntnis des Brotbackens schwindet. Kaum jemand weiß noch, wie man aus Mehl, Wasser und Salz ein ordentliches Brot zubereiten kann. Und selbst die Bäcker greifen auf Backmischungen und künstliche Backtriebmittel zurück, weil sie schnell und flexibel auf die Nachfrage reagieren wollen, sprich: jeden Tag bis Abends frisches Brot in der Auslage anbieten.

Ein gutes Brot aber braucht Zeit. Das bedeutet nicht, dass es besonders viel Arbeit ist, man braucht aber Geduld und einen langen Atem, wenn man ein wirklich gutes Brot backen will. Und es gibt kaum etwas faszinierenderes, schmackhafteres und ergreifenderes, als ein reifes, frisches, knuspriges Brot anzuschneiden und davon zu kosten. Und das gilt erst recht für das »lebendige Brot« (Johannes 6,51), das »vom Himmel herabkommt« (6,50).

Brot backen? Hier gibt’s ein Rezept.

»Ich bin das lebendige Brot …«
Johannes 6,51
19. Sonntag im Jahreskreis B

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