Johannes der Täufer war das, was man heute als prominent bezeichnet. Er war so bekannt und bedeutend, dass die ersten Christen nicht um ihn herumkamen oder auch nicht um ihn herum wollten. Deshalb spielt er eine so wichtige Rolle in den Evangelien, die ihn zum „Vorläufer“ Jesu machen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Johannes der Täufer war das, was man heute einen Aussteiger nennt. Er lebte auf der Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis. Er lebte sehr einfach und war für seine Askese bekannt. Seine Beschreibung erinnert an Franz von Assisi und besonders an dessen vergessene Seite.

Johannes der Täufer war – wie Franz – ein „wilder“ Mann, eine geradezu archetypische Figur. Er erinnert uns Männer daran, dass wir nicht unser ganzes Potenzial schöpfen, wenn wir unsere Identität auf Macht und Status oder Gewalt reduzieren.

Johannes erinnert uns an unsere prophetische Kraft, die uns alle Macht- und Gewaltspiele hinterfragen lässt. Er bringt uns in Kontakt mit unserem Gerechtigkeitsempfinden und dem tiefen Impuls, für die Gemeinschaft und das Gemeinwohl da zu sein und – wie es im Evangelium heißt – „mit Kraft voranzugehen“ (Lk 1,17).

Und Johannes der Täufer lehrt uns zu lieben, denn was soll es sonst bedeuten, „das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden“ (Lk 1,17). Hinter allen Masken und Aufbauten, die Männer oft brauchen und gebrauchen, um jemand zu sein, erinnert das Evangelium am Johannistag daran, sich allem Kleinen, Verletzlichen, Schutzbedürftigen und Unschuldigen in der Welt zuzuwenden. Nicht nur außen, sondern auch im Inneren – letztlich ist beides verbunden: Wir tragen dieses Kind immer in unserer Seele. Ist es eingekerkert, einsam und hungrig? Oder ist es frei und lebendig?

»… um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden …«
Lukas 1,17
Geburt Johannes des Täufers

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