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Das Streben nach Glück ist uns allen gemeinsam: Es hält uns am Leben und motiviert unsere Handlungen. In Wahrheit müssen wir uns aber alle auch ständig mit irgendeiner Art des Unglücks auseinandersetzen. Das fängt bei kleinen alltäglichen Dingen an, die nicht so laufen, wie wir es gerne hätten. Und schließlich erzählt uns eine Geschichte wie die von Hiob, dass wir Unglück nicht vermeiden können, auch nicht, indem wir alles »richtig« machen. Was soll man auch jemandem, der ein Kind verloren hat, todkrank oder sonstwie gescheitert ist, über das Glück sagen? Es gibt so viele Hiobs, die definitiv alles »richtig« gemacht haben mögen und dennoch Schreckliches erleben. Aber wollte jemand behaupten, sie könnten nie mehr glücklich sein? Das wäre ja noch schrecklicher.

Glück ist wie Schönheit

Für manche Leute ist Glück wohl gleichbedeutend mit Ordnung (von den Leuten der Ordnung war hier schon die Rede) und darin liegt wahrscheinlich der größte Irrtum über das Glück. Denn von außen betrachtet spielt sich das Leben immer zwischen Ordnung und Unordnung ab, zwischen Verbundensein und Getrenntsein, zwischen Gemeinschaft und Alleinsein. Es geht weder ohne Ordnung, sonst würde das Chaos herrschen. Aber es geht auch nicht ohne Unordnung, sonst würde nie etwas Neues entstehen.

Mit dem Glück ist es daher wohl wie mit der Schönheit: Nichts ist perfekt und wahre Schönheit kommt von innen, wenn sie wahr ist. Wahres Glück ist offenbar dementsprechend auch nichts, das sich bloß von außen einstellt, das irgendwie abhängig wäre von einer bestimmten Situation oder Konstellation der Dinge.

Der erste Schritt zum wahren Glück

Wenn wir mit Menschen in die Natur gehen, weil sie an einer Schwelle im Leben stehen und diesen Übergang bewusst vollziehen wollen, dann ist diese Erkenntnis über das Wesen des Glücks ein entscheidender Schritt im Transformationsprozess, möchte ich behaupten.

Meistens ist es so – und bei mir war es auch so: Wer sich entscheidet, eine Quest zu machen, ist bereits zu der Überzeugung bekommen, das Leben trotz aller Fragen, Widerstände, Ungereimtheiten usw. selbst in die Hand nehmen zu wollen. Sonst würde er oder sie nicht alles hinter sich lassen, alle Schutzhäute ablegen und hinausgehen in die Wildnis, um auf den Grund der Seele zu schauen. Das bedeutet, all die Dinge, die das Leben uns in den Rucksack gepackt hat und die nicht zu ändern sind, eben auch nicht länger vergeblich und vielleicht verzweifelt ändern zu wollen, sondern anzunehmen und zu integrieren. Das ist der erste Schritt zum wahren Glück.

Erwachsener Glaube

In der Initiation – und die Quest ist eine Initiation – geht es auch darum, den Kinderglauben hinter sich zu lassen. Als Kinder erleben wir uns vollständig abhängig und müssen erwarten, dass eine höhere Macht die Dinge ändert. Anfangs verkörpern die Eltern diese höhere Macht, später ist es unsere Vorstellung von einem väterlichen Gott. So sind dann auch unsere Gebete: Bitte Gott, tu dies. Bitte Gott, hilf mir bei dem. Ein erwachsener Glaube aber geht weiter: »Christus lebt in mir« (Gal 2,20), sagt Paulus.

Vielleicht ist das der Grund, warum uns das Neue Testament von der Taufe Jesu erzählt. Denn man fragt sich: Warum muss Jesus überhaupt getauft werden? Und da gibt es diesen seltsamen Dialog zwischen Johannes dem Täufer und Jesus: Johannes weigert sich nämlich schlicht, Jesus zu taufen. Das symbolisiert in gewisser Weise das Denken aus dem Kinderglauben heraus: Jesus ist doch der Sohn Gottes, wer um Himmels willen sollte ihn taufen dürfen, denn das würde ja bedeuten, sich über ihn zu stellen, oder so etwas. Aber Jesus sagt: Lass es nur zu! Das ist die eigentlich Revolution in diesem Text. Denn hier wird der Glaube erwachsen. Jesus ist einer von uns. Und noch radikaler: Wir können Christus sein!

Sich geliebt wissen

Ich habe immer geglaubt, die Taufe Jesu sei ein öffentliches Großereignis gewesen. Alle müssen in Ehrfurcht erstarrt sein, als sich der Himmel öffnete und eine geheimnisvolle, göttliche Stimme sprach: Das ist mein geliebter Sohn. Allerdings steht nichts davon im Text: Es könnte sein, dass niemand außer Jesus selbst diese Vision wahrgenommen hat (und so ist es ja in der Regel mit Visionen und Träumen). Interessanterweise steht auch bei Markus und Lukas »DU bist mein geliebter Sohn« und es scheint, als hätten sie dadurch deutlich machen wollen, dass eben Jesus diese Stimme nur für sich selbst gehört hat.

Die Geschichte will uns in jedem Fall sagen, meine ich: Um ganz Mensch sein zu können, braucht es die Erfahrung dieser Zusage: Du bist ein geliebter Sohn, Du bist eine geliebte Tochter. Und Initiation bedeutet, als wahr zu erfahren, dass wir es nicht von außen bestätigt brauchen, sondern aus uns selbst heraus glauben können.

Der Königsweg

Wer schafft es, sich vor den Spiegel zu stellen und zu sagen: Ich liebe Dich (denn wenn Gott uns uneingeschränkt liebt, sollten wir das vielleicht auch können, oder)? Ich schaffe es nicht ohne Hemmungen. Sofort schreit die Stimme in meinem Kopf: Narzissmus, Hochmut, Mangel an Demut usw. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich im christlichen »Feld« groß geworden bin. Und ausgerechnet in diesem »Feld« ist die wunderbare Botschaft von der uneingeschränkten Liebe pervertiert worden. Herausgekommen ist eine tiefsitzende Überzeugung, sich selbst für schlecht, unwürdig und ungenügend halten zu müssen. Und da nimmt eine sehr unglückliche Abwärtsspirale ihren Lauf.

Im Grunde geht es auf der Suche nach dem wahren Glück nur um eines: diese Abwärtsspirale umzukehren und durch alle großen und kleinen Katastrophen hindurch bedingungslos an der Liebe festzuhalten. Nicht umsonst dreht sich die berühmteste Predigt der Welt genau darum: Die Bergpredigt mit den Seligpreisungen. Und paradoxerweise preist Jesus darin eben die Unglücklichen selig: die Armen, Trauernden, Machtlosen, Verfolgten, Beschimpften, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten und doch wissen, dass sie sie nicht mit Gewalt durchsetzen können. Es scheint, als wolle er sie auf einen »Königsweg« zum wahren Glück einladen. Die Einladung gilt uns allen, wenn wir es zulassen.

Das große »UND«

Ich finde es seltsam, von einer Formel zum Glück zu sprechen, aber mir fällt kein anderer Begriff ein. Die Formel ist sehr einfach, es ist das UND. Glück beginnt, wenn unser Aber-Geist, der immer ABER sagt, still wird und wir nicht mehr entweder-oder, sondern eben mit dem großen UND die Dinge zusammen sehen: Hell UND Dunkel, Freude UND Leid. Mehr dazu erfährst Du in der dritten Folge des Podcasts von barfuß+wild.

»Lass es nur zu!«
Matthäus 3,15
Taufe des Herrn

kennst du schon den barfuss+wild – podcast?
du kannst diese folge auch bei itunes oder spotify finden oder hier einfach herunterladen.

»Josef erwachte«
Matthäus 1,24
Vierter Adventssonntag

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