fbpx

Die Menschwerdung Gottes erzählt keine andere als die Geschichte vom Werden und Vergehen und Wiederwerden, vom Herzschlag des Lebens. Gott, der Urgrund des Seins, steht dabei nicht außerhalb. Gott ist nicht Zuschauer. Er IST das Leben und er IST die alles bewegende Liebe. Er stellt sich selbst in den Kreislauf des Lebens. Wenn wir sagen, dass er den Tod überwunden hat, meinen wir in Wahrheit, dass sich das Leben erfüllt hat.

Vielleicht ist es der größte Irrtum, die Bitte Jesu im Evangelium von heute, rein moralisch zu verstehen. Das Böse ist jedoch nicht eine Summe von falschen Taten. Böse ist vielmehr, sich selbst zu belügen über die eigene Vollkommenheit oder die Vollkommenheit einer Sache, einer Idee oder auch eines anderen Menschen – und all das nur, um das Leiden an der vermeintlichen Unvollkommenheit der Welt und den Schmerz des Todes, den das Leben mit sich bringt, nicht mehr spüren zu müssen. Das Böse in diesem Sinne führt meistens in die Verbitterung oder in den Wahnsinn.

Wir können der Fülle des Lebens, der bewegenden Liebe Gottes, nur dann Raum geben, wenn wir sie nicht festhalten und kontrollieren wollen. Die Begegnung mit dem Auferstandenen verwandelt die Angst und die Trauer. Sie ermöglicht uns, in alle Abgründe zu schauen und uns den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Sie bewahrt uns vor Zynismus und Verbitterung. Sie ermutigt uns, aufzu(er)stehen für das Leben, wo es nötig ist. Sie ist die Wurzel wahrer Freiheit und Autonomie, die in Gott selbst gründet.

“Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.“ Joh 17,15
7. Sonntag der Osterzeit B

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Pin It on Pinterest

Share This