BARFUSS?

Ich bin doch so empfindlich!!!

Keine Sorge: Die Lebensschule ist keine Vereinigung von Menschen, die ihre Schuhe nicht mehr benutzen. Nur für den Fall, dass Du das bis hierher angenommen hattest. Kommt vor.

Und: Ja, die Lebensschule ist ein Ort, um „alte“ Schuhe und andere Schutzhäute abzulegen und zu probieren, ob und wie es ohne sie geht. Natürlich im übertragenen Sinn.

Denn wenn Du in diesem Sinne „barfuß“ durchs Leben gehst, musst Du aufmerksam gehen. Du bist verletzlich. Wer „barfuß“ geht, kann nicht schnell über alles hinweggehen. Wer „barfuß“ geht, spürt den Lebensweg unter den Fußsohlen und verlagert seine Aufmerksamkeit ganz von selbst praktisch vom Kopf in die Füße. Aus „empfindlich“ kann dann „empfindsam“ werden.

Barfuß steht damit symbolisch für eine Haltung, die sich unmittelbar berühren und einbeziehen lässt und nicht in die Rolle des Zuschauers flüchtet. Diese Haltung ist die Grundlage für den franziskanischen Weg:  Sicherheiten und Vorstellungen beiseite zu legen und bereit zu sein für den “heiligen Boden” (Exodus 3,5), wo Gott wartet!

Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.

EXODUS 3,5

WILD?

Warum „wild“ – um Himmels willen?

Mose stieg auf den Berg, Jesus ging in die Wüste, Franz von Assisi verbrachte die meiste Zeit seines Lebens draußen in der Natur. Auf und unter Felsen, auf dem Erdboden und auch in tiefen Erdspalten. Die Natur war für Mose, Jesus, Franziskus und viele andere, die vor uns lebten, ein spiritueller Lern- und Lebensort.

Die moderne westliche Kultur hat die Verbindung mit der Natur als Wildnis und spiritueller Erfahrungsraum weitgehend verloren. Der franziskanische Weg führt dorthin zurück. Und er führt auf diese Weise in die Freude des Daseins und Soseins. Und auch hinab in die Keller und Erdlöcher der Seele, zu den wilden Tieren, die dort leben.

Wer sich mit seiner „wilden Natur“ verbindet und versöhnt, so wie Jesus, Franziskus und andere Meister es taten, wird erfüllt leben und die Kraft haben, wirklich etwas für diese Welt zu tun.

Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.

MARKUS 1,13

AKTION & KONTEMPLATION

Aktion meint die klare Entscheidung für ein Einmischen und ein Engagement in der Welt, denn Fragen und Probleme sind nicht alleine durch Gebet zu lösen.

Kontemplation ist die bewusste Suche nach Gott. Wer bereit ist,  sich vom Ego zu lösen (der Abhängigkeit vom eigenen Image, von einem vergänglichen Selbst), findet das „wahre Selbst“.

Aktion und Kontemplation sind untrennbar. Es ist ein Wechselspiel, ein Balance-Akt. Ein Tanz.

„Barfuß“ in der Aktion: Das bewahrt vor Aktionismus oder Geschäftigkeit. Es macht empfindlich und empfindsam. Nicht immer kann etwas „getan“ werden. Es ist ein Anfang, den Missstand, die Ungerechtigkeit oder den Schmerz überhaupt wahrzunehmen.

„Wild“ in der Kontemplation: Das bewahrt vor der Flucht in eine perfekte innere Scheinwelt und vor der Nabelschau. Die Begegnung mit dem „wilden“ Gott als dem ganz Anderen und Fremden bewahrt vor dem Irrtum, alles kontrollieren zu können. Loslassen hat gerade mit Kontrollverlust zu tun und den fürchten viele am allermeisten. Wer loslässt, wird gehalten.

Wir müssen beten, als ob es nur auf uns ankäme.
Und arbeiten, als würde alles von Gott abhängen.

UNBEKANNT

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