NACKTE SOHLEN
Du bist die Erde unter deinen Füßen.

»Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.«

EXODUS 3,5

Die Lebensschule ist KEINE Vereinigung von Menschen, die ihre Schuhe nicht mehr benutzen. Nur für den Fall, dass du das bis hierher angenommen hattest. Und: Ja, die Lebensschule ist ein Ort, um »alte« Schuhe und andere Schutzhäute abzulegen und zu probieren, ob und wie es ohne sie geht. Natürlich im übertragenen Sinn. Denn wenn Du in diesem Sinne „barfuß“ durchs Leben gehst, musst Du aufmerksam gehen.

Du bist verletzlich. Du kannst nicht über alles hinweggehen. Wer „barfuß“ geht, spürt den Lebensweg unter den Fußsohlen. Vom Kopf in die Füße. »Barfuß« heißt, sich unmittelbar berühren und einbeziehen zu lassen. Nicht in die Rolle des Zuschauers flüchten. Das ist der franziskanische Weg:  Sicherheiten und Vorstellungen beiseite legen. Bereit sein für »heiligen Boden«, wo Gott wartet!

WILDES LEBEN
Du bist das Feuer, das dein Herz erwärmt.

»Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.«

MARKUS 1,13

Die moderne westliche Kultur hat die Verbindung mit der Natur als Wildnis weitgehend verloren. Sie ist kein spiritueller Erfahrungsraum mehr. Der franziskanische Weg führt dorthin zurück. Und er führt auf diese Weise in die Freude des Daseins und Soseins. Und auch hinab in die Keller und Erdlöcher der Seele, zu den wilden Tieren, die dort leben.

Mose, Jesus, Hildegard von Bingen, Franz von Assisi. Sie verbrachten Zeit in der Natur. Die Natur war für sie und viele andere, die vor uns lebten, ein spiritueller Lern- und Lebensort. Wer sich mit seiner »wilden Natur« verbindet und versöhnt, so wie Jesus, Franziskus und andere Meister es taten, wird erfüllt leben und die Kraft haben, wirklich etwas für diese Welt zu tun.

BARFUSS UND WILD
Aktion. Kontemplation. Und.

»Wir müssen beten, als ob es nur auf uns ankäme.
Und arbeiten, als würde alles von Gott abhängen.«

IGNATIUS VON LOYOLA

Aktion meint die klare Entscheidung. Sich einmischen und engagieren. Probleme sind nicht alleine durch Gebet zu lösen. Kontemplation ist die bewusste Suche nach Gott. Sich vom Ego lösen. Von einem vergänglichen Selbst. Das „wahre Selbst“ finden. Aktion und Kontemplation sind untrennbar. Es ist ein Wechselspiel. Ein Balance-Akt. Ein Tanz, der das Herz berührt.

»Barfuß« in der Aktion: Das bewahrt vor Aktionismus. Oder Geschäftigkeit. Es macht empfindlich.  Und empfindsam. Nicht immer kann etwas getan werden. Es ist ein Anfang, den Missstand, die Ungerechtigkeit oder den Schmerz überhaupt wahrzunehmen. »Wild« in der Kontemplation: Das bewahrt vor der Flucht in eine perfekte innere Scheinwelt. Und vor der Nabelschau. Der Gott der Bibel ist ein »wilder« Gott.