
Wenn das Leben uns Stille schenkt, schenkt es uns nicht Nichts. Es schenkt uns die Bedingung, unter der das Herz seine eigentliche Arbeit tun kann: unterscheiden. Nicht durch Nachdenken, sondern durch ein beständiges inneres Wiegen: Wer bin ich? Was brauche ich? Wo ist jetzt mein Platz? In dieser Stille finden wir nach Hause. In ein Zuhause, das nie ein Dach brauchte.
Kennst Du das, wenn etwas direkt vor Deiner Nase steht und Du es trotzdem nicht sehen kannst?
Was Du natürlich erst bemerkst, WENN Du es irgendwann entdeckst — einfach so oder weil jemand Deine Aufmerksamkeit dorthin lenkt.
Als wir hier nach Bingen gezogen sind, da war ich einige Zeit damit beschäftigt, die 2000 Quadratmeter Obstacker hinter dem Haus zu bearbeiten.
Wir haben damals eine Kräuterschnecke angelegt und einen kleinen Gemüsegarten.
Und hättest Du mich dann nach einem Jahr gefragt, hätte ich gesagt: Ich habe hier jeden Stein umgedreht, ich kenne meinen Garten.
Und an einem Abend im Spätsommer, so ein lauer, wunderschöner Abend war das, da spaziere ich so herum und plötzlich sehe ich am Rand der Wiese hier bei uns im Garten einen kleinen Baum voll mit prallen, reifen, süßen Pfirsichen.
Und ich hätte schwören können, dass jemand diesen Baum da hingezaubert hat. Ich habe den einfach nicht gesehen.
Und jetzt stand er da plötzlich und unerwartet mit seinen großen, runden Früchten und die waren so wunderbar und reif und süß.
Das war so paradiesisch, dass ich wirklich vor Freude geweint habe über diese Entdeckung.
Und: Warum habe ich das vorher nicht gesehen? Wir waren ja schon einige Jahre da.
Und bei dem Gedanken, dass dieser Pfirsichbaum vielleicht schon oft geblüht und Früchte getragen hatte, ist mir ein bisschen schwer ums Herz geworden.
Ich hatte da ganz offensichtlich einen blinden Fleck.
Und warum erzähle ich das: Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Glück praktisch »auf der Straße« liegt. Direkt vor unserer Nase.
Wir erkennen es nur nicht, wenn wir Zuschauende bleiben.
Ein Weg, wie wir Teilnehmende werden und bleiben können – darum geht es im Podcast heute.
Ich wünsche Dir einen gesegneten Sonntag.
Pace e bene
br. Jan
ATEMPAUSE
EINATMEN
Ich spüre Boden unter meinen Füßen.
AUSATMEN
Ich bin verwurzelt und getragen.
JOURNAL
EINE STIMME AUS DEM GROSSEN KREIS
»Das reine Glücksgefühl, das mich manchmal erhellt und mir klar werden lässt, dass es nichts zu tun gibt, dass ich dazugehöre zum Universum.«
Andrea
WILDE WEISHEIT



