
Wir nennen es Stärke, wenn wir nicht zusammenbrechen. Aber das ist nicht Stärke – das ist Erschöpfung, die wir mit aller Kraft zu verbergen versuchen. Nicht der Schmerz zerstört uns. Sondern die Weigerung, ihm ins Gesicht zu sehen. Wer aufhört, sich selbst zu belügen, lässt zu, dass der Schmerz sich wandelt. Dort liegt die wahre Kraft.
Hast Du schon Deine guten Vorsätze in Dein Tagebuch geschrieben – für die zweite Jahreshälfte?
Wahrscheinlich wundert Dich die Frage.
Dabei könnten wir uns ja eigentlich auch wundern, warum wir uns diese Frage nicht ebenso selbstverständlich stellen wie im Winter: Wenn nämlich das neue Jahr beginnt, gibt es ein großes Bewusstsein für den Übergang.
In dieser Woche steht nun ein doch mindestens ebenso bedeutender Übergang an: die Sommersonnenwende.
Die ist bei uns nur ein bisschen aus dem Blickfeld geraten.
Die Geburt Johannes des Täufers, die wir am 24. Juni feiern, hat nicht annähernd die Bedeutung wie die Geburt Jesu in der »Heiligen Nacht«.
Dabei ist diese Sommernacht mindestens so »heilig«: Jetzt steht – wie in den Rauhnächten im Winter – für ein paar Tage scheinbar die Zeit still, und dann werden die Tage wieder kürzer. Es geht ab jetzt nicht bergauf, sondern bergab.
Das ist das Geheimnis des Übergangs, der vor uns liegt.
Und mit dem »Abstieg« haben wir es nicht so in einer Gesellschaft, in der alles nach oben strebt: Immer mehr, immer was Neues.
Wer will schon reden über Abschied und Loslassen?
Jede gesunde spirituelle Tradition konfrontiert uns aber auf irgendeine Weise mit diesem Erfordernis des Abstiegs: Wer wirklich stark sein will, muss tatsächlich lernen, abzusteigen.
Johannes der Täufer sagt: »Er (Jesus) muss wachsen, ich muss kleiner werden.« Und das ist nicht mal nur fromm gemeint. Das ist der Lauf der Dinge – so lehrt es uns das Rad des Lebens.
Um die »Kunst des Absteigens« oder – wie es Richard Rohr sagt – die Kunst, nach oben zu fallen, geht es heute im Podcast.
Ich wünsche Dir einen gesegneten Sonntag und einen guten Übergang in die zweite Jahreshälfte.
Pace e bene
br. Jan
ATEMPAUSE
EINATMEN
Ich umarme in mir das Starke und das Schwache.
AUSATMEN
Ich bin frei, heil und ganz.
JOURNAL
EINE STIMME AUS DEM GROSSEN KREIS
»Diese Einheit zwischen Körper und Seele ist doch kein Zufall. Als ich gewisse Sachen nicht mehr hören wollte, bekam ich Probleme mit den OHREN. Als ich gewisse Sachen nicht mehr sehen wollte, bekam ich Probleme mit den AUGEN. Als ich gewisse Sachen nicht mehr runterschlucken wollte, bekam ich Probleme mit dem MAGEN. Jetzt weiß ich weshalb die Medikamente nur kurz wirkten – habe das DENKEN geändert.«
Gritt
BARFUSS+WILD



