
Gewöhne Dir an, immer wieder etwas Freundliches zu Dir selbst zu sagen. Übe es für den Tag, wenn Dich Scham oder Selbstzweifel überwältigen. Sag Dir ein freundliches Wort genau in dem Moment, in dem Du meinst, es nicht verdient zu haben. Das ist keine Schwäche. Das ist Reife. So verschiebst Du langsam, aber sicher das Zentrum Deiner Wahrnehmung von der Bewertung zurück ins Sein.
Ich vermute, es geht Dir wie mir: Ich wusste nicht, dass es zu der berühmten Frage »Was denken die anderen?« auch eine Zahl gibt. In der Psychologie misst man diese Zahl seit Ende der Achtzigerjahre, und sie ist – Achtung! – seit 1989 um 33% gewachsen.
Das heißt übersetzt: Der Druck, den Erwartungen der anderen zu entsprechen, wird immer größer.
Vor allem bei jungen Menschen.
Aber nicht nur.
Untersuchungen zeigen zum Beispiel, dass viele Frauen in den Wechseljahren besonders unter Scham und Selbstzweifeln leiden.
Und das ist ja zunächst auch ganz »natürlich«, denn die Wechseljahre sind ein großer persönlicher Umbruch.
Aber der wachsende Druck, äußere Erwartungen zu erfüllen, verstärkt dann in solchen Zeiten des Übergangs die Gefühle von Alleinsein, Unsicherheit und Scham.
Und das gilt nicht nur für die Wechseljahre, sondern betrifft jede Art von Übergang – bei Männern und Frauen: in Fragen der beruflichen Veränderung, beim Eintritt in den Ruhestand und überhaupt in allen Phasen der Trennung, des Abschieds und der Trauer.
»Scham und Selbstzweifel« sind also nicht nur ein Thema für ein paar Schüchterne, sondern für uns alle.
Und die gute Nachricht ist: Wenn Du Scham und Selbstzweifel wahrnimmst, dann bist Du schon einen ganzen Schritt weiter (besonders Männer sind hier oft im Hintertreffen).
Das würde jedenfalls Franz von Assisi sagen, schätze ich – er hat Scham und Selbstzweifel nämlich keineswegs überwunden oder aufgelöst, sondern im Gegenteil als spirituelle Kraftquelle und Ausgangspunkt für Solidarität und tiefe Verbundenheit entdeckt.
Wie das möglich ist, das erzähle ich Dir im Podcast heute.
Ich wünsche Dir einen gesegneten Sonntag.
Pace e bene
br. Jan
ATEMPAUSE
EINATMEN
Ich umarme in mir das Starke und das Schwache.
AUSATMEN
Ich bin frei, heil und ganz.
JOURNAL
Was kannst Du Dir heute Freundliches sagen?
EINE STIMME AUS DEM GROSSEN KREIS
»Heute Morgen bin ich in der Auseinandersetzung mit meinem fünfjährigen Enkel an meine Grenze gestoßen. Sofort waren da Scham, Selbstvorwürfe, ein Gefühl von Versagen. In der Kontemplation habe ich gemerkt, dass ich ihn immer wieder mit meiner Idealvorstellung von ihm abgleiche (das war mir zuvor gar nicht bewusst), statt die Realität anzuschauen, anzuerkennen und ihm dort auch zu helfen. Das hat sofort jegliche Wut und Empörung wie weggeblasen. Danke für die so überaus tiefgründigen Podcasts.«
Tanja
PODCAST
PERLENGEBET
… der mit uns auferstanden ist.



