
Der Same im Dunkel der Erde trägt in sich schon die ganze künftige Krone. Er fragt nicht, wie. Er wird einfach. So tragen wir alle ein Mögliches in uns, dessen Werden wir nie vollständig sehen können. Wir können nur unseren Teil wachsen lassen, wie man ein Kind austrägt, dessen Gesicht man noch nicht kennt.
Niemand möchte sich ohnmächtig fühlen – und niemand sollte sich ohnmächtig fühlen.
Und dennoch gehört dieses Gefühl zum Leben.
Jeder und jede kennt es.
Früher oder später sind wir alle damit konfrontiert, weil wir begrenzte Wesen sind.
Deshalb ist es auch nicht wirklich überraschend, dass laut Leipziger Autoritarismus-Studie knapp 72 Prozent der Befragten sagen: »Leute wie ich haben sowieso keinen Einfluss.«
Das Gefühl, angesichts der Weltlage – und manchmal auch im eigenen Leben – nichts ausrichten zu können, ist überhaupt nichts Neues.
Neu ist vielleicht, dass wir in unserer Zeit von so vielen Informationen so schnell und pausenlos regelrecht überschwemmt werden, dass wir leicht den Halt verlieren.
Genau um diesen Halt geht es heute im Podcast.
Ein Halt, der uns ermöglicht, auch in der Ohnmacht aufrechtzubleiben und die eigene Würde nicht zu verlieren.
Daran entscheidet sich, ob die Ohnmacht uns mit der Zeit verbittert – oder ob wir in ihr weich und lebendig bleiben.
Dieser Halt kommt nicht aus uns selbst. Und doch braucht das, was uns da trägt, unsere Mitwirkung.
Das jedenfalls sagt Hildegard von Bingen – und wenn sie heute im Podcast zu Wort kommt, dann zeigt das nur, dass das Thema Ohnmacht und Wirksamkeit ganz und gar nicht neu ist, sondern letztlich so alt wie die Menschheit.
Schauen wir mal, was wir von Hildegard und anderen, die vor uns gegangen sind, lernen können.
Ich wünsche Dir einen gesegneten Sonntag.
Pace e bene
br. Jan
ATEMPAUSE
EINATMEN
Ich bin ganz bei mir.
AUSATMEN
Ich erlaube mir, zu wachsen.
JOURNAL
Was in Dir würdest Du gerne wachsen lassen?
EINE STIMME AUS DEM GROSSEN KREIS
»Gestern habe ich so sehr gehadert mit dem dunklen Ort, so wie er sich gerade für mich anfühlt. Es war mir, als müsste ich mich ›auf Eis legen‹, bis es irgendwie wieder hell wird, die Umstände wieder besser sind. Was für ein Geschenk heute morgen beim Lesen … – wachsen, blühen, gerade weil es aus dem Dunkel heraus gut gehen kann; weil es die Natur auch so macht. Mit ihrer sanften aber dennoch unaufhaltsamen Kraft durch die Erdkruste, manchmal durch Asphalt. Wieder und immer wieder danke, danke, danke für dieses schöne Bild.«
Jutta
SEELENFUTTER
PERLENGEBET
… der mit uns auferstanden ist.



