Seelenfutter Bildtafel

Perfektion ist nicht Heiligkeit, sondern ihre gelungenste Fälschung. Die zweite Lebenshälfte beginnt an der Stelle, wo das sorgfältig gebaute Bild von uns selbst nicht mehr trägt. Was wir hinter makellosen Fassaden verbergen, wird uns beherrschen. Was wir umarmen können, wird uns verwandeln. Denn in einem Leben ohne Brüche findet die Gnade nichts, wo sie hindurchscheinen kann.

Eines der gefährlichsten religiösen Wörter ist »Sünde«.
Gefährlich, weil dieses Wort eine toxische Spiritualität hervorbringen kann, die Schuldgefühle und Angst verstärkt.
Viele haben das in ihrer religiösen Erziehung so erlebt.
Die Ursache dafür liegt in der sehr verbreiteten Vorstellung: Der Sünder oder die Sünderin hat gegen bestimmte Regeln verstoßen.
Da gibt es dann Verkehrssünder.
Oder Klimasünder.
Und so weiter.
Und die haben eben etwas falsch gemacht: Sie haben den Regeln nicht gehorcht.
Aber genau diese Vorstellung kann zum Gift werden, wenn sie absolut gesetzt wird.
Denn »einer Regel gehorchen« kann ganz schnell selbst zu falschem Handeln führen.
Die Tragweite dessen dürfte niemand besser verstehen als wir in Deutschland, denn nach dem Ende der Nazi-Herrschaft haben Menschen, die zum Beispiel als Aufseher in einem KZ grausame Dinge getan haben, ihr Handeln genau so gerechtfertigt: Sie seien doch nur gehorsam gewesen.
Ein Gehorsam ohne Gewissen läuft selbst Gefahr, zur Sünde zu werden – und das bedeutet: Sünde muss etwas anderes sein als bloß ein Regelverstoß.
Es geht um das Gewissen und um unseren innersten Kern, unsere tiefste Wahrheit.
Daher ist für mich die Beschäftigung mit »Sünde« längst nicht mehr bloß eine religiöse Spezialfrage, sondern eine menschliche Notwendigkeit, ganz gleich ob man sich für religiös hält oder nicht.
Und auch wenn ich ahne, dass das Thema »Sünde« kein Straßenfeger wird, habe ich einmal zusammengetragen, wie ich auf das Thema mittlerweile blicke – und das dreht das ganze landläufige Sündenverständnis fast komplett vom Kopf auf die Füße. Und führt mich zu dem Gedanken, dass ich sogar stolz bin, ein Sünder zu sein.
Wie ich zu der Aussage komme, erfährst Du im Podcast.

Ich wünsche Dir einen gesegneten Sonntag.

Pace e bene

br. Jan

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»Versuchen es allen recht zu machen – das habe ich sehr sehr lange gemacht! Angst vor Veränderung – das hatte ich viele Jahre! In der Vergangenheit leben – das versuche ich mir ab-zu-gewöhnen! Mich selbst fertigmachen – das wird weniger! Zu viel nachdenken – das wird weniger! Die Arbeit mit meinem inneren Kind tut mir gut!«

Maria
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