
Der Lärm, dem Du entkommen willst, ist nicht nur draußen. Innen und außen sind auch nicht zwei Welten. Was Du draußen vermisst – die Weite, das Zuhause, den Frieden –, das trägst Du in Dir herum. Nicht wie Dinge, von denen man sich möglichst viel in die Taschen steckt, sondern wie der Fluss in seinem Bett dem Wasser Raum gibt. Es sammelt sich dort, wo es tief ist.
Kennst Du den Wunsch, dem Lärm der Welt den Rücken zu kehren und Dich an einen ruhigen und friedlichen Ort zurückzuziehen?
Es wäre eher erstaunlich, wenn Du diese Frage mit »Nein« beantworten würdest. In jedem Fall bist Du mit diesem Wunsch nicht allein.
Die Trendforschung hat dafür einen eigenen Begriff geprägt: »Cocooning«.
Das kommt von Kokon und bezeichnet die Bewegung, sich in die eigenen vier Wände oder eben an einen gemütlichen Ort zurückzuziehen.
Vom Cocooning wird übrigens schon seit den 1980er-Jahren gesprochen. Diese Bewegung ist also bald fünfzig Jahre alt.
Und deshalb habe ich auch den Verdacht, dass Cocooning nicht nur ein berechtigtes Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit bedient, das wir Menschen haben. Ich denke, es ist vor allem auch eine erfolgreiche Erfindung derer, die uns Friede, Freude und Eierkuchen verkaufen wollen.
Und das geht einfach besser, wenn wir zu Hause sind: in unseren vier Wänden, gemütlich eingekuschelt vor dem Fernseher – und per Knopfdruck kommen jetzt sogar alle Waren, die man sich nur vorstellen kann, per Post ins Haus.
Inzwischen wissen wir eigentlich ziemlich gut, dass es so nicht weitergehen wird. Wir sind »am Ende des Fortschritts« angekommen, wie es zum Beispiel der japanische Philosoph Kohei Saito in seinem gleichnamigen Buch schreibt. Und das macht vielen Angst.
Wir wissen auch, dass Populisten diese Verlustängste noch schüren, um dann einfache Lösungen zu »verkaufen«, allerdings immer auf Kosten konkreter Menschen – und auf Kosten von Anstand und Menschlichkeit.
Wie können wir uns also davor schützen und dem etwas entgegensetzen – und zwar positiv, ohne uns selbst im Dagegen-Sein aufzureiben und zu verausgaben? Was nährt und trägt wirklich? Und wie können wir denn in Zukunft leben – und zwar »gut« leben?
Eine Antwort liegt vielleicht in der Vergangenheit: Gestern, am 3. Oktober, war der 800. Todestag von Franz von Assisi, der ja bekanntlich auf jegliches Eigentum verzichtet hat.
Allerdings war das keine Weltflucht, sondern vielmehr eine Form von innerem Widerstand.
Für mich ist Franz von Assisi so etwas wie der erste Stadteremit – und diese Art von Eremitentum könnte eine gute Antwort sein auf die Herausforderungen, die wir heute erleben.
Wie das aussehen kann, erzähle ich Dir im Podcast.
Und ich kann schon verraten: Vermutlich leben viele Menschen dieses Stadteremitentum längst, ohne es zu ahnen. Vielleicht gehörst Du auch dazu.
Ich wünsche Dir einen gesegneten Sonntag.
Pace e bene
br. Jan
ATEMPAUSE
EINATMEN
Ich bin reich, …
AUSATMEN
… ich muss es nicht beweisen.
JOURNAL
Wenn ich dem Raum gebe, was in mir ist, …
EINE STIMME AUS DEM GROSSEN KREIS
»In die Tiefe gehen, irgendwann am Grund ankommen ist ein guter Gedanke. Und doch habe ich erfahren, dass ich meinte, angekommen zu sein und irgendwann feststellen musste/durfte, es geht noch tiefer. Da sagte mir jemand, dass ich ja dann immer wieder den Grund unter den Füßen verlieren würde. Ja, manchmal war das so, und doch fiel ich nicht, wurde getragen.«
Christl
SEELENFUTTER
PERLENGEBET
… der mit uns auferstanden ist.



