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Manche versuchen, das Gebet in Formeln zu sperren, weil sie die Leere nicht ertragen. Aber Gott wartet nicht auf die nächste Andacht. Gebet ist die Luft, die wir atmen. Gebet ist die Erde, die uns trägt. Gebet ist der Ozean, in dem wir schwimmen. Nicht wir beten – es betet durch uns und mit uns und in uns. Die alten Formeln können zum Gefäß für diese Erfahrung werden, und zuweilen helfen sie, die Leere zu ertragen.

Ich vermute, dieser Satz ist Dir auch schon mal begegnet: »Not lehrt beten.«

Ich mag ihn überhaupt nicht – und ich habe mich gefragt: Warum?

Denn es ist ja etwas Wahres dran.

Manchmal, am Ende aller Worte und Möglichkeiten, können wir nur noch beten.

Aber das heißt ja nicht, dass es eine Not braucht, um beten zu können.

Und genau das schwingt mit, wenn manche Leute das sagen.

So als wäre das Leid eine spirituelle Notwendigkeit, die uns auf den Pfad der Tugend bringt.

Das ist eine Spiritualität von oben, die uns letztlich wie Kinder behandelt.

Wir Erwachsenen brauchen aber keine Pädagogik mehr, sondern etwas anderes.

Wir brauchen »Mystagogik«: den Zugang zu einer eigenen Erfahrung des Heiligen.

Denn das ist Mystik.

Und aus dieser Perspektive ist es nicht die Not, die beten lehrt, sondern es ist die Not, die uns an die Grenze bringt und die Frage aufwirft: Hat denn Beten überhaupt noch einen Sinn? Kommt da überhaupt eine Antwort? Kann denn mein Beten überhaupt etwas verändern und bewirken?

Der mystische Weg beginnt also nicht ganz oben bei der Gipfelerfahrung, sondern möglicherweise dann, wenn sich eine Leere einstellt und Sinn abhandenkommt.

Wie es dann gehen und welchen Sinn Gebet dann (noch) haben kann – zumal in einer Zeit, in der die alten Formeln nicht mehr selbstverständlich sind –, darum geht es im Podcast heute im Gespräch mit Bruder Helmut Schlegel von den Franziskanern: über Brüche im Leben, Krankheit und Zweifel an Gott, die ihm das Beten unmöglich gemacht haben. Und darüber, wie ihn eine andere Art zu beten durch die Leere getragen hat.

Ich wünsche Dir einen gesegneten Sonntag.

Pace e bene

br. Jan

PS:

Buchtipp von Br. Helmut Schlegel: »Trösten – Heilen – Segnen. Meditative Impulstexte für Gemeinde, Gebet und Gottesdienst« (Schwabenverlag 2024).

Und am Ende des Podcasts erwähne ich es nur kurz: Ich habe ein Buch über meine persönliche Gebetsform geschrieben. In diesem Frühjahr ist es erschienen: »Sieben Geheimnisse«. Ein Buch über ein sehr altes Gebet, neu entdeckt. Mehr dazu hier.

PODCAST

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ATEMPAUSE

EINATMEN
Ich atme ein.

AUSATMEN
Ich atme aus.

JOURNAL

Wenn ich die Leere zulasse …

EINE STIMME AUS DEM GROSSEN KREIS

»Am Ende ist es einatmen und ausatmen. Mit dem Einatmen kommen lassen und mit dem Ausatmen gehen lassen. Alles ist Geschenk für mich. Manches bleibt und manches schreitet fort. Fortschritt?«

Angela
BARFUSS+WILD

PERLENGEBET

… der mit uns auferstanden ist.

Sieben Geheimnisse - Ein uraltes Gebet neu entdeckt...

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