
Manchen Menschen fällt es schwer, um Hilfe zu bitten, weil sie daran gewöhnt sind, selbst Helfende zu sein. Doch Helfen kann auch eine raffinierte Form sein, die Kontrolle zu behalten. Wer nur gibt, bleibt oben und vermeidet die eigene Bedürftigkeit.
Jedes Kind kennt die Geschichte vom heiligen Martin, der den Mantel teilt.
Mir jedenfalls hat sich aus unzähligen Martinsspielen – die ich als Kind und als Vater erlebt habe – dieses Bild eingebrannt von dem römischen Soldaten, der seinen Mantel mit dem Schwert in der Mitte durchschneidet. Eine Hälfte für den Bettler. Eine Hälfte behalten. So geht Teilen.
Und wahrscheinlich geht es nicht nur mir so: Diese Szene von der Mantelteilung hat sich mir wesentlich stärker eingeprägt in meine Erinnerung als der zweite Teil der Geschichte. Denn Martin träumt in der darauffolgenden Nacht von dem Bettler, der ihm als Christus erscheint.
Dass ich diesen zweiten Teil der Geschichte weniger gut in Erinnerung habe, ist nicht ganz unbedeutend. Denn ohne ihn bleibt nur die Moral: »Teilen ist gut.« Eine Moral, die im schlechtesten Fall zur reinen Wohltätigkeit mutiert, die aber letztlich nur das Ego nährt: Der Helfer wird berühmt. Der Arme bleibt namenlos.
Kinder zu lehren, wie Martin zu sein – das taugt als Pädagogik für die erste Lebenshälfte. Aber spätestens in der zweiten Lebenshälfte geht es darum, auch zu lernen, wie Christus zu sein – und der ist der Bedürftige und »der Geringste«, wie es biblisch heißt.
Wenn Du also immer »alles gibst«, könnte der Podcast für Dich interessant sein, denn da geht es genau darum, wie aus Geben echtes Teilen werden kann (und was dann mit dem Gefühl passiert, dass es nie genug ist).
Ich wünsche Dir einen gesegneten Sonntag.
Pace e bene
br. Jan
ATEMPAUSE
EINATMEN
Ich bin wertvoll ...
AUSATMEN
... und habe viel, das ich der Welt geben kann.
JOURNAL
Wenn ich Hilfe annehme …
EINE STIMME AUS DEM GROSSEN KREIS
»Ich bin mutiger geworden, mir Zeit für mich selbst zu nehmen und das als genauso wichtig wie andere Zeiten zu sehen. Nicht erst, wenn alles andere getan ist, bin ich dran. Das ist vielleicht die wichtigste Erfahrung.«
Melanie
RAUHNÄCHTE
PERLENGEBET
… der mit uns auferstanden ist.



