Teil 8 der Rauhnächte-Reihe – zur Übersicht.
Zwei sehr gegensätzliche Zuschriften, wie wir so ähnlich immer wieder bekommen:
Die eine: »Ich bin katholisch aufgewachsen. Die Rauhnächte ziehen mich an — aber darf ich das überhaupt? Ist das nicht esoterisch? Oder gar heidnisch?«
Die andere: »Ich bin ein nüchterner Mensch. Mich zieht die Stille dieser Tage an – aber mit Religion und Weihnachten und Gebeten kann ich nicht viel anfangen. Macht eine Teilnahme dann überhaupt Sinn für mich?«
Zwei Fragen, die einander genau entgegengesetzt scheinen: Den einen sind die Rauhnächte zu esoterisch, den anderen zu religiös. Und doch stellen beide dieselbe Frage: Passt das zu mir — oder muss ich dafür jemand anderes werden?
Unsere Antwort ist beide Male dieselbe: Du darfst kommen, wie Du bist. Und das sage ich nicht als Beschwichtigung, sondern weil es sich zeigen lässt.
Für Christen: Du betrittst kein fremdes Gelände
Die Rauhnächte liegen nicht außerhalb des christlichen Jahreskreises – sie liegen mittendrin. Es sind die »Zwölf Heiligen Nächte« zwischen Weihnachten und Dreikönig, seit Jahrhunderten kirchlich überliefert: Weihnachten ist nicht nur eine Nacht, es gibt eine WeihnachtsZEIT und das sind die Rauhnächte.
Auch das Räuchern, das für viele für ein heidnisches Relikt halten, ist zugleich uralte biblische Praxis. Und Weihrauch gehört bis heute für viele Christen zur Liturgie. Die Volkskunde berichtet, dass vielerorts die Pfarrer selbst die traditionellen Räucherungen in den Rauhnächten übernahmen.
Aber warnen die Kirchen von heute nicht vor esoterischen Angeboten wie den Rauhnächten? Wer einmal bewusst nach warnenden Stimmen gesucht hat, findet keine kirchliche Stelle, die Christinnen und Christen das Begehen der Rauhnächte verbietet oder ernsthaft davon abrät. Im Gegenteil. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau lädt ausdrücklich dazu ein und bietet eigene Impulse für die zwölf Nächte an – als christliche Exerzitien, mit einem Wort des Theologen Jörg Zink: Der (weihnachtliche) Friede »ist auch uns zugedacht, und auch in uns kann etwas geschehen.« Auch auf katholisch.de wird die Zeit als Gelegenheit zum Innehalten und zur Jahresbilanz empfohlen.
Kritisch sein ist erlaubt …
Natürlich: Der Rauhnächte-Markt ist voll von Energien, Manifestation und Universums-Bestellungen. Vieles davon läuft der historischen Gestalt der Rauhnächte zuwider, sagt die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, die Fachstelle der evangelischen Kirche für neue religiöse Strömungen.
Niemand muss die Rauhnächte und die Formen, die angeboten werden, unkritisch annehmen. Es lohnt sich, sehr genau zu schauen, wo und in welcher Begleitung man durch die Rauhnächte gehen möchte. Und es lohnt sich, auf die bekannten Ursprünge zu schauen. Dann »funktionieren« die Rauhnächte als das, was sie handfest sind: ein Rahmen für Stille am Jahresende, für die Schwelle zwischen den Jahren. Ein paar Tage, in denen die Arbeit ruhen darf. Eine alte Einladung zur Achtsamkeit. Nichts davon ist eine »Glaubensfrage«. Du musst nichts Spezifisches »glauben«, um durch die Rauhnächte gehen zu können.
Grundsätzlich gilt: Nicht Du musst Dich an ein Rauhnächte-Program anpassen, sondern Du kannst die Rauhnächte nutzen, um den Übergang ins neue Jahr für Dich zu gestalten.
Wenn Du diesen Weg praktisch kennenlernen willst: Der Wegweiser führt Dich hinein.
→ Hol Dir den Wegweiser – kostenlos als PDF
Wie möchtest Du weiterlesen?
→ Weiter in der Reihe – Teil 9: Der Weg zu den Rauhnächten
→ Oder quer eingestiegen – Teil 1: Die fünf größten Irrtümer über die Rauhnächte




