Was Du für die Rauhnächte wirklich brauchst und was eigentlich ein Ritual ist …

Teil 6 der Rauhnächte-Reihe – zur Übersicht.

Was brauche ich alles für die Rauhnächte? Diese Frage hören wir oft in der Vorbereitung auf die Rauhnächte bei barfuß+wild. Und die Antwort ist einfach: eigentlich nichts. Du brauchst keine besondere Ausrüstung und keine Vorkenntnisse, nur ein wenig Zeit. Und Du solltest wissen, was ein Ritual ist (und was nicht).

Die meisten verwechseln ein Ritual mit einem Ritus

Die Rauhnächte sind ein Ritual für den Übergang ins neue Jahr. Ein Ritual ist aber nicht einfach ein Ritus.

Ein Ritus ist nämlich eine Handlung, die immer wieder auf die gleiche Weise durchgeführt wird. Riten können Bestandteil von Ritualen sein, aber sie sind eben noch kein Ritual.

Ein Ritual kannst Du Dir viel eher vorstellen wie einen Rahmen, in den Du Dich begibst. Was in diesem Rahmen passiert, steht aber – anders als beim Ritus – nicht schon vorher fest.

Ein Ritual hat einen zeitlichen Rahmen: Anfang und Ende. Und einen Ort, an dem es stattfindet. Nicht immer muss etwas »passieren« in einem Ritual. Für die Rauhnächte ist die Stille, das Nichtstun, das Sich-Erinnern und Geschichtenerzählen schon genug.

Meistens kommt man anders aus einem Ritual, als man hineingegangen ist – und genau das darf auch für die Rauhnächte gelten. Deshalb braucht es vor allem eines: die Bereitschaft, sich einzulassen.

Welche Bedeutung hat dann das Räuchern?

Es gibt viele Arten zu räuchern. Einige davon sind alt und haben sich bis in die Gegenwart erhalten – zum Beispiel in der katholischen Praxis des Weihrauchs. Meistens markiert das Räuchern einen Übergang: den Beginn eines Gottesdienstes oder einen wichtigen Moment darin. Räuchern, so die Vorstellung in dieser Tradition, bereitet den Raum für die Begegnung mit dem Heiligen – und es verändert auch die Personen, die räuchern oder geräuchert werden.

Schon die Psalmen kennen dieses Bild: Das Gebet steigt zu Gott auf wie Weihrauch (Psalm 141). Der Rauch verbindet Erde und Himmel, das Profane mit dem Heiligen – und macht sichtbar, was sonst unsichtbar ist.

Räuchern ist also eine sehr alte und vielfältige Tradition und Bestandteil vieler Rituale. Wenn wir aber Ritus und Ritual unterscheiden, dann geht es weniger um die Frage, WIE Du räucherst, sondern vielmehr um die Frage, WARUM und WOFÜR. Das heißt: Wichtiger als die äußere Handlung, die immer gleich abläuft – Kohle entzünden, Kräuter aufstreuen – ist die symbolische Bedeutung: ganz bewusst beginnen oder enden, die materielle und die geistige Welt (Erde und Himmel) verbinden und »ganz« in der Gegenwart ankommen.

Wie alt dieser Brauch des Räucherns in den Rauhnächten ist und woher er kommt, erzählt ausführlich Teil 7 dieser Reihe.

Muss ich räuchern?

Diese Frage hören wir sehr oft in unseren Seminaren und Programmen der Lebensschule barfuß+wild. Und die Antwort ist: Nein. Denn das Räuchern an sich macht noch kein Ritual.

Nein bedeutet somit: Es gibt auch andere, einfachere Formen, den Ritual-Rahmen zu gestalten. Eine Kerze, die zu Beginn bewusst entzündet und am Ende bewusst wieder gelöscht wird, zum Beispiel.

Nein bedeutet aber auch: Die Haltung ist wichtiger als die konkrete Handlung. Wenn man das radikal weiterdenkt, heißt das: Ich kann räuchern, ohne materiell zu räuchern. Zum Beispiel, wenn ich kein Räucherwerk habe oder aber in der Natur bin, wo ich kein Feuer machen darf. Dann genügt die Intention: Ich kann »so tun als ob« – die symbolische Handlung ist nicht weniger wirkungsvoll.

Das unterscheidet das Ritual vom Ritus: Das Ritual entsteht nicht durch das Zubehör oder durch die genaue Abfolge von bestimmten Handlungen, sondern durch den Rahmen – und durch die innere Bereitschaft, sich auf diesen Rahmen einzulassen.

Was ist das mit den 13 Wünschen für ein Ritual?

Vielleicht hast Du von den 13 Wünschen gehört und fragst Dich, was es damit auf sich hat: Es ist das wohl bekannteste aller Rauhnächte-Rituale.

In jeder Rauhnacht wird dabei aus 13 Wünschen einer zufällig ausgewählt und ungesehen verbrannt. Den 13. Wunsch, der übrig bleibt, nimmt man mit ins neue Jahr.

Wie das genau geht und was Du dafür brauchst, erfährst Du im Rauhnächte-Wegweiser. Und woher dieses Ritual stammt (es ist jünger, als Du denkst), steht in Teil 5 dieser Reihe.

Für wen die Rauhnachts-Rituale etwas sind

Rituale sind kein Aberglaube und keine Zaubertechnik. Die Rauhnachts-Rituale sind etwas für Dich, wenn Du …

  • … bereit bist, kleine, wiederholbare Handlungen auszuprobieren, ohne dass sofort etwas »passieren« muss,
  • … keine schnelle Lösung für ein akutes Problem suchst – dafür ist ein Ritual der falsche Ort,
  • … keine schnellen Lösungen für akute Fragen erwartest, etwa gesundheitlicher oder finanzieller Art.

Auch für die Zeit der Vorbereitung auf die Rauhnächte gibt es (wunderschöne) Rituale. Eine Anregung dazu findest Du in unserem Wegweiser.

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Wie möchtest Du weiterlesen?

Weiter in der Reihe – Teil 7: Räuchern: Die Geschichte einer alten Praxis
Oder quer eingestiegen – Teil 9: Der Weg zu den Rauhnächten

Zur Übersicht: Alles über die Rauhnächte

Wer hier schreibt

Jan Frerichs — Autor, Theologe und Gründer der Lebensschule barfuß+wild. Als Franziskaner (OFS) interessiere ich mich für die »Mystik der kleinen Leute«. So bin ich auf die Rauhnächte gestoßen: eine dieser Volkstraditionen, die seit Jahrhunderten das Leben der Menschen prägen — und über die selten geschrieben wird.

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Der Wegweiser in die Praxis der Rauhnächte – für einen Weg, der schon im Sommer beginnt ...

Die Rauhnächte sind nicht zwölf Rituale, die man zwischen den Jahren »korrekt absolviert«. Es geht um eine innere Bewegung. Und die beginnt nicht erst am 24. Dezember, sondern viel früher.

Diesen Weg zeichnet das kostenlose PDF-Workbook, das wir bei barfuß+wild für Dich zusammengestellt haben: Der Wegweiser führt Dich vom Johannisfest in der Sommersonnenwende bis in die Nächte zwischen den Jahren in der Wintersonnenwende.

Der Rauhnächte-Wegweiser — PDF-Mockup mit drei aufgefächerten Seiten

Du findest im Wegweiser ...

... eine Einführung in die »Spiritualität des Absteigens«
... eine einfache Naturübung zur Tradition der Kräuterweihe im August
... ein Ritual zum Umgang mit der Vergangenheit im November
... praktische Informationen zur Vorbereitung auf die Rauhnächte im Dezember.

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